Allgemeine Informationen zur mittelalterlichen Buchkunst
Bücher waren im Mittelalter sehr kostbar. Vor der Erfindung des Buchdrucks um 1450 musste jedes Buch von Hand geschrieben werden. Vor allem die Köster widmeten sich dieser Aufgabe, fast jede größere Abtei unterhielt eine Schreibwerkstatt, ein Skriptorium.
Dort wurden die Bücher auf Pergament für die eigene Bibliothek oder für auswärtige Auftraggeber geschrieben. Erst gegen Ende des 12. Jahrhunderts verloren die Mönche ihr Monopol im Handschriftenschreiben. In den Städten fertigten nun auch berufsmäßige Laienschreiber Handschriften an.
Das Pergament wurde aus den Häuten von Schafen, Rindern oder Ziegen hergestellt. Die Produktion hat sich bis heute im Prinzip nicht geändert: Die Haut wird zur Enthaarung in ein Bad aus Wasser und Kalk gelegt, dann zum Trocknen auf einen Rahmen gespannt und in die Sonne gestellt. Um eine gleichmäßige Stärke zu erzielen, werden Fleisch- und Haarseite abgeschabt. Pergament ist sehr haltbar – ein unschätzbarer Vorteil, denkt man an die für uns so kostbaren mittelalterlichen Handschriften. Allerdings reagiert Pergament empfindlich auf Trockenheit und Feuchtigkeit. Ein ökonomisches Problem stellt die Menge des benötigten Ausgangsstoffes her: Für die Herstellung eines Buches wurden bis zu 500 Tierhäute benötigt.
Im Lauf des 13. Jahrhunderts wurde Pergament als Beschreibstoff zunehmend abgelöst von dem weitaus billiger herzustellenden Papier, das von den Arabern nach Europa gelangte. Die erste Papiermühle in Deutschland wurde 1390 in Nürnberg von Ulman Stromer gegründet.
Geschrieben wurde mit Federn, die Tinte wurde aus Pflanzenstoffen gewonnen. Die rotbraune, lichtechte und wasserfeste Tinte fertigte man aus Schlehenzweigen, die am besten vor dem Ausschlagen im Frühjahr abgeschnitten werden. Die Rinde wird in Wasser angesetzt und unter Zugabe von Wein ausgekocht, bis eine siegellackartige Masse entsteht. Daneben gab es die aus Galläpfeln unter Zugabe von Eisen- oder Kupfersulfat gewonnenen schwarze Tinte. Diese war zwar wischfest, bleichte aber leicht aus und verursachte bei Feuchtigkeit gefährliche Oxidationen, den „Tintenfraß“. Daneben gab es farbige Tinten in Rot, Blau, Gelb und Grün, die man aus minerlaischen, pflanzlichen, tierischen und chemischen Grundstoffen gewann, wie Ocker, Lapislazuli, Kreide, Schwefel, Zinnober, Ruß, Bleiweiß, Grünspan, Harz („Drachenblut“), Indigo, Brasilholz, Safran, aus der Kermeslaus, der Galle von Schildkröten und anderem mehr. Besonders kostbare Handschriften enthalten Initialen in Gold- oder Silbertinte, die aus Blattgold, Blattsilber oder Zinnfolie gefertigt wurde.
Der Schreiber arbeitete meist mit zwei aus Horn gefertigten Tintenfässern, eines für braune oder schwarze Tinte, eines für rote Tinte.
An einer aufwändigen Handschrift arbeiteten meist mehrere Könner in Teamwork: der Schreiber, der Maler, der Buchbinder. Die Einbände der in so genannten Lagen zusammengefügten Buchseiten bestanden aus Holz. Dieser Buchdeckel wurde überzogen, oft mit kostbaren Bezugsstoffen, und höchst aufwändig bearbeitet und mit Applizierungen aller Art prächtig ausgestaltet.
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