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Maximilian II.

 

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Westenrieder, Lorenz von

Grad: Freiherr
Geburt: 1. August 1748, München
Tod: 15. März 1829, München
Beruf: Historiker, Schriftsteller
Konfession: römisch-katholisch

Lorenz von Westenrieder stammte aus dem Münchner Bürgertum. Obwohl er beide Eltern früh verloren hatte, konnte er das Jesuitengymnasium und Lyzeum in München besuchen und anschließend Theologie studieren. 1771 erfolgte seine Priesterweihe, zwei Jahre später begann er als Professor für Poetik und Rhetorik am Gymnasium in Landshut zu lehren. Diese Tätigkeit musste Westenrieder jedoch aus gesundheitlichen Gründen bald wieder aufgeben. Allerdings blieb er dem Schulwesen verbunden. 1784 erfolgte seine Ernennung zum Schulrat, 1799–1802 bekleidete er das Amt eines Direktorialrats über das deutsche und lateinische Schulwesen. Er konnte also seine Überzeugungen aus einer gemäßigten aufklärerischen Sicht in den Schulalltag einbringen. Auch sein Amt als Bücherzensurrat und Direktor der 1799 gegründeten Bücherzensurkommission sah er als erzieherischen Auftrag: das Volk sollte durch Literatur belehrt und zu guten und nützlichen Menschen erzogen werden. Als Beitrag dazu verfasste Westenrieder auch eigene Schriften, die teilweise der Lehrmeinung der katholischen Kirche widersprachen und verboten wurden.

Bereits 1777 wurde Westenrieder Mitglied in der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, zunächst in der belletristischen Klasse, seit 1779 in der historischen Klasse. 1808 wählten ihn die Mitglieder zum Direktor der Akademie.

Mit dem Regierungsantritt des bayerischen Kurfürsten Max IV. Joseph und seines Reformministers Maximilian von Montgelas 1799 sah sich Westenrieder, der bisher zu den Modernisierern gehört hatte, auf die Seite der Konservativen gestellt. 1821 erhielt er eine Domkapitularenstelle im neu eingerichteten Bistum München-Freising.

Westenrieder verfasste mit dem „Leben des guten Jünglings Engelhof“ den bedeutendsten Roman eines bayerischen Autors im 18. Jahrhundert. Seine historischen Werke, etwa die „Geschichte der Baiern“, der „Historische Kalender“, das „Handbuch von Baiern“ oder die Geschichte der Bayerischen Akademie der Wissenschaften sind Grundlagen einer bayerischen Volkskunde. Für seine historischen Schriften ist Westenrieder bis heute bekannt. Er hinterließ ein vielbändiges Tagebuch mit zahlreichen Details zum Leben seiner Zeit.

Westenrieder war ein Befürworter der Aufklärung, die unter anderem auch forderte, alle Menschen zu guten und nützlichen Untertanen zu erziehen. 


Literatur:

Wilhelm Haefs, Aufklärung in Altbayern. Leben, Werk und Wirkung Lorenz Westenrieders, Neuried 1998