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Ludwig I.

 

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Rede des Kurfürsten Erzkanzlers Dalberg bei der Trauung des Vizekönigs von Italien, Eugen Beauharnais, und der bayerischen Prinzessin Auguste Amalie am 14. Januar 1806

13. März 1806

Druck, National-Zeitung der Deutschen, 13. März 1806

Transkription:

Durch französische öffentliche Blätter ist folgende Rede, welche der Kurfürst Erzkanzler bei der Trauung des Vizekönigs von Italien mit der Prinzessin Auguste von Bayern am Altar gehalten hat, bekannt gemacht worden.

Von allen göttlichen Einrichtungen hat den sichtlichsten Einfluß auf das Glück der Menschheit die Ehe - jene Vereinigung zweyer Seelen, die auf dem oft mühseligen Pfaden des Lebens wechselseitig sich beystehen, einander trösten in den Widerwärtigkeiten, und den Reiz glücklicher Ereignisse durch süße Teilnahme erhöhen; die jenseits des Grabes noch ihre hiernieden so flüchtige Gegenwart verlängern, indem sie geliebten Kindern das Dasein geben, die eines Tages dem Beyspiele ihrer tugendhaften Eltern folgen werden.

Erhabener Prinz! Der Himmel vereinigt Ihr Schicksal mit dem Schicksal einer Prinzessin, deren Seelenreinheit, Hochsinn und ungeheuchelte Frömmigkeit alle sie charakterisierenden Züge aussprechen, und sich je mehr und mehr in allen Augenblicken ihres Lebens entwickeln. Alle Tugenden keimten in ihrer schönen Seele durch die zärtliche Sorgfalt ihrer erlauchten Eltern hervor, die das so wahre, so süße Glück zu schätzen wissen, sich mit dem Wohl ihrer liebenswürdigen Familie zu beschäftigen. Und diese erlauchte Prinzessin wird auch im höchsten Grade die Tugenden einer zärtlichen Gattin und einer guten Mutter besitzen.
Erhabene königliche Prinzessin! Sie vereinigen Ihr Schicksal mit dem Schicksale eines Gatten, der als Jüngling in die Gefahren jenen Helden begleitete, den die Vorsehung bewaffnete, jene Anarchie zu zerstören , welche die Welt umzukehren drohte. Der erlauchte Prinz Eugen Napoleon sieht auch in diesem großen Manne das Beispiel der so wahren, so reinen Seligkeit, die man nur im Umtausche der innigsten Gefühle einer zärtlich geliebten und liebenswürdigen Gattin findet.

Indem Prinz Eugene Napoleon seine Mächte dem Glücke der ihm anvertrauten Völker weihet, in einem Alter, wo die meisten Menschen sich mit Vergnügungen beschäftigen, zeigt Er, wie heilig Ihm alle Pflichten sind. Das Herz des Sohns der Kaiserin Josephine gleicht dem Herzen seiner erlauchten Mutter, deren ganzes Dasein sich mit grenzenloser Ergebung sich nur darauf einschränkt, was zur Glückseligkeit des einzigen Gegenstandes aller ihrer Liebe, aller ihrer Gedanken beytragen mag. Den erhabenen Fürsten Eugene Napoleon nahm an Sohnes Statt an - Bayerns Befreyer, dessen mächtiger Genius durch seine Siege einen Krieg schnell endigte, der das teutsche Reich zu verwüsten und auf lange Zeit den Kontinent Europens zu beunruhigen drohte.

Erlauchte Braut und Bräutigam! Beten Sie täglich im Laufe des Lebens zu Gott! Beten Sie um das so köstliche Geschenk der Herzensvereinigung! Gott, die ursprüngliche Quelle der Liebe, wird Ihrem und unserm heißen Gebete diese Bitte gewähren, zu einer Zeit, wo das Beispiel der christlichen Tugenden, und der sie beleitenden Glückseligkeit wichtiger, als je, ist. Unsere heilige Religion ermahnt die Gatten, sich zu lieben, wie unser göttlicher Erlöser die Getreuen seiner Kirche liebte, für die er sein Leben gab, um ihr ewiges Heil zu sichern.

Prinz und Prinzessin! Ihre schönen Tage fließen dahin in der zärtlichsten Vereinigung, bis im spätesten Alter der höchste Sie zu sich ruft, um sie für ihre Tugenden ewig zu belohnen.

Lageort: München, Bayerische Staatsbibliothek
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