Würzburg, Agnetenkloster


 

GESCHICHTE

Würzburger Bürgerstöchter im Habit

Die Frühgeschichte des Klarissenklosters St. Agnes in Würzburg ist Ingrid Heeg-Engelhart zufolge nicht gesichert. Wahrscheinlich existierte nach der Mitte des 12. Jahrhunderts bei der Bartholomäusklause am Rennweg nahe des Hofgartens eine Gemeinschaft frommer Frauen; möglicherweise handelte es sich dabei um Beginen. Nach 1249/50 wurde ein Teil dieser Gemeinschaft an jene Namen gebende Kapelle St. Agnes verlegt, deren Fundamente im Altarraum der heutigen Michaelskirche ergraben werden konnten. Für 1250 ist belegt, dass dieser Konvent nach der Augustinerregel lebte. Möglicherweise wurden die Nonnen bereits damals durch Schwestern aus dem Kloster Söflingen bei Ulm in die Ordensregel von St. Damian eingeführt. Papst Innozenz IV. inkorporierte den Konvent 1254 formell in den Damiansorden (ab 1263 Klarissenorden) und gestand ihm die freie Wahl der Äbtissin sowie das Recht auf den Erwerb von Besitz zu.

1257 erfolgte der Neubau des Klosters, dessen Turm und Choranlage in Sebastian Münsters ?Cosmographia? von 1548 am Ende der Neubaustraße deutlich erkennbar ist. Die Seelsorge und die Betreuung in wirtschaftlichen Fragen oblag seitdem den Franziskanern in Würzburg. Seit 1257 sind für das Agneskloster mehrere päpstliche Privilegien überliefert. 1397 bestätigte König Wenzel ebenfalls den Besitz des Klosters.

Aufgrund der Vielzahl von Schenkungen und Gunsterweisungen aus Kreisen der Würzburger Bürgerschaft kann geschlossen werden, dass das Kloster in erster Linie der Versorgung seiner Töchter diente. Für das späte 14. und das 15. Jahrhundert sind außerdem Äbtissinnen mit Würzburger Familiennamen überliefert. Die Klarissen verfügten bald über erheblichen Grundbesitz in der Stadt und besaßen seit 1272 große Weinberge in Heidingsfeld und anderenorts.

Nachlassende Stiftungsbereitschaft der Bürgerschaft und mangelnde Klosterdisziplin ließen das Agneskloster im 14. Jahrhundert in Schwierigkeiten geraten. Im Jahr 1527 ließ Bischof Konrad von Thüngen (reg. 1519?1540) eine Visitation durchführen. Trotz der damals angeordneten Disziplin unter den 17 Klosterfrauen mit Äbtissin Dorothea Ostheimer war der Niedergang im Konvent nicht mehr aufzuhalten. 1561 lebten noch drei Klosterfrauen dort, die entweder wegen Untüchtigkeit aus dem Orden entfernt wurden oder in ein anderes Kloster übertraten. In die Gebäude verlegte Bischof Friedrich von Wirsberg (reg. 1558?1573) die von ihm gegründete neue Partikularschule. 1567 erhielten die Jesuiten das Klarissenkloster und seine Güter als Baugrund für ihre Kirche.

Erich Schneider



 

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