Würzburg, Antoniterkloster


 

GESCHICHTE

Die Würzburger Antoniter

 

Der so genannte Mutterkornbrand, eine durch ein überwinterndes Dauermyzel im Getreide hervorgerufene Krankheit epidemischen Ausmaßes, verbreitete sich ab der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts in großen Teilen Europas. Die Kranken suchten mangels geeigneter Medizin Linderung im Gebet. Besondere Bedeutung erhielt dabei die Dorfkirche von Motta nemorosa, auf halber Strecke zwischen Valence und Grenoble, in der die Gebeine des hl. Einsiedlers Antonius verehrt wurden. Zur Versorgung des großen Zustroms von Kranken, die am ?Antoniusfeuer? litten, bildete sich bald eine Bruderschaft, die 1095 von Papst Urban II. anerkannt wurde. Aus einem Hospital mit Kapelle entwickelte sich bis zum Ende des 13. Jahrhunderts der Antoniterorden als Chorherren-Kongregation.

Im Lauf des Mittelalters breitete sich der Bettelorden rasch aus. In ganz Europa entstanden so genannte Antoniushäuser oder ?Präzeptoreien? als Außenstellen von Saint-Antoine. Außer aus den vielfach mit Ablässen bewehrten Almosen bezogen die Antoniter ihre Einkünfte aus dem Verkauf der frei herumlaufenden und sich von Abfällen ernährenden ?Antoniusschweine?.

In Würzburg dürften die Antoniter vermutlich im ersten Viertel des 15. Jahrhunderts Fuß gefasst zu haben. Erstmals hören wir 1434 von ihnen bei der Übertragung des Hofes ?zu dem Altenberg? durch den Abt des Zisterzienserklosters Heilsbronn an den Präzeptor Hugo de Bellomonte aus der Niederlassung Isenheim bei Colmar, zu dessen ?Sammelbezirk? das Bistum Würzburg gehörte. (Der von Matthias Grünewald geschaffene ?Isenheimer Altar? zeigt übrigens einen vom Antoniusfeuer geplagten Kranken.) 1444 erhielt die Präzeptorei noch das angrenzende Hofgut ?der klein Baumgarten? von Heilsbronn als weiteres Lehen. Das Areal umfasst ab 1725 einen Teil der Gebäude des Ursulinenklosters entlang der früheren Antonitergasse. In der Folgezeit wurde dort ein Hospital mit Kapelle errichtet.

Lediglich die Figur des hl. Antonius des Einsiedlers (gest. 356) mit seinem Attribut, dem Schwein, an der Fassade der mehrfach erneuerten Kapelle erinnert an die Antoniter. Auch sonst gibt es nur wenige Nachrichten über ihr Wirken in Würzburg. In dieser Niederlassung starb 1459 der Präzeptor von Isenheim, Johannes Bertonelli, Ratgeber vieler Fürsten und ein bedeutender Staatsmann. 1496 sollen den Antonitern in der Stadt die Haltung von 14 ?mit einer Glocke versehenen und mit einem Rechen gekennzeichneten? Schweinen gestattet gewesen sein. Der Erlös dürfte anfangs nicht ganz gering gewesen sein: Bis zu den Bombenangriffen des 16. März 1945 bewahrte die Ursulinenkirche aus dem Antoniterkloster die qualitätvolle Holzskulptur eines St. Antonius Abbas aus der Zeit um 1470/80 auf.

Der fernab von Isenheim gelegene Würzburger Außenposten geriet während der Reformation rasch in wirtschaftliche Bedrängnis, da die Almosen der Gläubigen ausfielen. 1524 etwa erhielten sie aus Kitzingen die Nachricht, dass Bürgermeister und Rat zwei Antoniusschweine hätten schlachten lassen und weitere künftig nicht mehr dulden würden. 1527 setzte sich der Verwalter des Hauses, Jörg Silber, unter Mitnahme von Wertgegenständen ab. Später verpachteten die Antoniter das Haus an einen Würzburger Bürger, der die Kapelle profanierte und eine Weinschänke daraus machte. 1545 wurde der Hof schließlich verkauft. Die verödete Kirche wurde vom Rat der Stadt Würzburg gemeinsam mit dem bischöflichen Kanzler Johann Brandt neu ausgestattet und im Jahr 1610 durch den Weihbischof Eucharius Sang erneut geweiht.

 

Erich Schneider



 

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