Jüdisches Leben
in Bayern

Wassertrüdingen Synagoge

Im Zuge des Wiederaufbaus der Stadt Wassertrüdingen nach dem Westfälische Frieden kaufte die örtliche Judenschaft dem evangelischen Dekan Georg Zink einen „Stadel“ im Bereich der heutigen Kapellgasse 25 und erhielt am 16. Juni 1681 die offizielle Genehmigung zum Bau einer Synagoge inklusive einer Wohnung für den Schulmeister resp. Rabbiner. 

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts, und vermutlich schon lange vorher, befand sich die Synagoge der Gemeinde auf dem Anwesen Nr. 141, im Bereich der heutigen Kapellgasse 36. Im Urkataster von 1834 heißt es dazu: „Judenschule mit Wohnung und Hofraum […]. Die jüdische Gemeinde befindet sich seit unfürdenklichen Zeiten im ruhigem, unbestrittenen Besitz dieser Realitäten“. 

26 Familien lebten 1858 in Wassertrüdingen, der Bau eines neuen Gotteshauses wurde daher „ein dringendes Bedürfniß“. So formulierte es der Vorstand David Baer Gutmann in einem Schreiben an das örtliche Landgericht. Die Kosten für den Ankauf der Nachbargrundstücke Nr. 140a/b und den Bau einer vergrößerten, neuen Synagoge beliefen sich auf „die beiläufige Summe von Fünf Tausend und etlichen Gulden“. Trotz dieser hohen Belastung erwarb die Gemeinde den Baugrund am 25. Januar 1859. Der erste Plan des lokalen Mauermeisters Heinrich Steingruber wurde von der Regierung Mittelfrankens wegen seiner allzu großen Schlichtheit abgelehnt: Der 1857 eingerichtete königliche Baukunstausschuss forderte an öffentlichen Gebäuden eine repräsentative Stilistik, die der Würde ihrer Funktion entsprachen. Daher wurden in einem zweiten Entwurf - unter Beteiligung des Landbeamten Hausser in Gunzenhausen - weitere orientalisierende Elemente (vor allem marokkanische Hufeisenfenster) eingefügt, die man bei jüdischen Gotteshäusern für angemessen erachtete. Am 20. Juli 1859 erteilte die Regierung die Baugenehmigung, der Grundstein wurde noch im September gelegt und am 22. Januar 1861 die Einweihung gefeiert. Weil die Baukosten auf 8000 Gulden angewachsen waren, musste sich die Gemeinde mit 3000 Gulden verschulden – eine stattliche Summe, die jedoch bis 1873 abbezahlt wurde. Das neue Gotteshaus lehnte sich an die Ostwand eines Fachwerkhauses aus dem 18. Jahrhundert an, welches als Gemeindehaus diente. Dort befand sich ein Raum, der für den Schulunterricht genutzt wurde. Der Zugang zur Synagoge lag im Süden. Über dem Toraschrein an der Ostwand war ein auffälliges Misrachfenster mit Sandsteineinfassung und Davidstern angebracht. Den Giebelfirst schmückten die Mosaischen Gesetzestafeln. Südlich des Gotteshauses lag ein kleiner Anbau mit der modernen Mikwe.

Am 20. Januar 1939 musste der VBIG das leerstehende und geschändete Gotteshaus für 1.000 RM an einen Wassertrüdinger Maurermeister verkaufen. Bis zum 8. März 1940 war das Gebäude zu einem Wohnhaus mit zwei 4-Zimmerwohnungen umgebaut.

Nach dem Rückerstattungsverfahren durch das Bayerische Landesamt für Vermögensverwaltung und Wiedergutmachung sowie der JRSO 1951 wurde der Käufer der Synagoge zu einer Nachzahlung von 2000 DM, das Ehepaar im Schulhaus zu 1480 DM verpflichtet. In der Nachkriegszeit hatte zeitweise eine Nebenstelle des Arbeitsamtes Ansbach seinen Sitz im ehemaligen Gotteshaus. Das Gebäude ist durch zahlreiche Umbauten fast unkenntlich geworden.


(Patrick Charell)

Bilder

Literatur

  • Eberhardt, Barbara / Berger-Dittscheid, Cornelia: Wassertrüdingen, in: Wolfgang Kraus, Berndt Hamm, Meier Schwarz (Hrsg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Band 2: Mittelfranken. Erarbeitet von Barbara Eberhardt, Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Angela Hager unter Mitarbeit von Frank Purrmann und Axel Töllner mit einem Beitrag von Katrin Keßler, Lindenberg i. Allgäu 2010, S. 712-723
  • Harburger, Theodor: Die Inventarisation jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern, hg. von den Central Archives for the History of the Jewish People, Jerusalem, und dem Jüdischen Museum Franken – Fürth & Schnaittach., 3 Bde., Fürth 1998, Bd. 3, S. 776