Jüdisches Leben
in Bayern

Waltershausen Synagoge

Notizen über den Bau einer Synagoge in Waltershausen 1731 sind unbelegt. Allerdings gibt es zu Beginn des 18. Jahrhundert Hinweise, dass die jüdische Gemeinde einen Betsaal oder eine Synagoge einrichten wollte, Bis 1719 war nämlich keine "Judenschule verstattet", was nicht nur auf eine Religionsschule, sondern mehr auf eine Synagoge gedeutet werden kann. Da ab 1722 das Unterrichten der Kinder in Waltershausen gestattet war, darf man auch eine Synagoge vermuten. Der Standort des Gebäudes ist nicht bekannt.

In dem 1811 neu angelegten Personenstandsregister der jüdischen Gemeinde in Waltershausen äußerte sich der evangelische Pfarrer Nenninger zur Synagoge: "Die hiesige Synagoge, welche das ehemalige Wirtshaus war, will einstürzen, und es sind keine Mittel da, sie wieder zu bauen." Da die Gemeinde auch in den folgenden Jahrzehnten über wenig Mittel verfügt haben dürfte, wird sich an diesem Zustand nicht viel geändert haben.

Zu vermuten ist, dass sich im Synagogengebäude auch der Schulraum befand. Auch über die Schulsituation äußerte sich Nenninger 1811 sehr kritisch: "Der Unterricht der Judenkinder war immer äußerst schlecht, weil die Judenschaft nicht vermögend genug ist, einen Lehrer, der etwas versteht, zu besolden. Knaben von 14, 15 Jahren, die selbst unwissend sind, wie sollen die lehren?" Diese Situation wird durch die Biografie des Lehrers und Kantors Abraham Ebert (1823-1894). Ebert war bereits im Alter von 15 Jahren, als etwa 1838/1839 in Waltershausen tätig, bevor er 1840 das Lehrerseminar in Würzburg besuchte.

Das Ende der jüdischen Gemeinde in Waltershausen zu Beginn der 1880er Jahre führte zum späteren Verkauf des Gebäudes. Weitere Einzelheiten sind nicht bekannt.


Literatur

  • Albert, Reinhold: Geschichte der Juden im Grabfeld (Schriftenreihe des Vereins für Heimatgeschichte im Grabfeld e.V. Heft 2), Bad Königshofen 1990, S. 91 f.