Jüdisches Leben
in Bayern

Unteraltertheim Synagoge

Die jüdische Gemeinde besaß am südlichen Ortsrand eine aus dem 18. Jahrhundert stammende Synagoge (Plan-Nr. 87, heute: Brunnenstraße 13). Es handelte sich um einen kleinen, rechteckigen Sakralbau mit Tora-Erker. Dieses Gebäude brannte bei einem Großfeuer im Herbst 1838 nieder. Bis um 1841 entstrand ein neuer, größerer Mehrzweckbau auf dem Grundstück der Vorgängersynagoge. Er war massiv gebaut über rechteckigem Grundriss, hatte wie die Oberaltertheimer Synagoge ein Halbwalmdach und verfügte über einen zweigeschossigen quadratischen Betsaal mit Frauenempore (44 Männer- und 22 Frauenplätze), eine Lehrerwohnung, eine Mikwe im Erdgeschoss und im ersten Stock ein Schulzimmer, in dem 20 Kinder Platz hatten. Fast 100 Jahre lang bildete dieses Gebäude den religiösen Mittelpunkt der Kultusgemeinde.

In der Uraufnahme aus dem frühen 19. Jahrhundert wurde die Synagoge mit dem deutlich erkennbaren Erker aus unerfindlichen Gründen mit einem Halbmond und drei Sternen gekennzeichnet. Der Kunsthistoriker Theodor Harburger inventarisierte den Betsaal in den 1920er Jahren und erwähnte dabei besonders einen Toravorhang aus weißem Brokat. Beim Novemberpogrom 1938 bewaffneten sich die örtlichen SA-Leute und einige christliche Bürger, die sich ihnen angeschlossen hatten, mit Beilen, Pickel, Hacken und Knüppeln. Anschließend brachen sie die Synagoge auf, plünderten die Wertsachen, zerstörten die Inneneinrichtung und die gesamte Ausstattung mit den Ritualien. Die Aktionen geschahen in Unteraltertheim erst in der Nacht zum 11. November 1938. Einige der noch am Ort lebenden jüdischen Personen hatten - durch einen Telefonanruf aus Würzburg vorgewarnt - drei Torarollen, Gebetbücher und einige andere Ritualien aus der Synagoge herausnehmen können. Die SA-Leuten zerrissen jedoch die beiden verbliebenen Torarollen und stahlen den Silberschmuck der Torarollen. Die durch die Schändung unbrauchbaren Ritualien wurden der Nachbargemeinde Oberaltertheim übergeben, wo sie im August 1939 im Garten einer jüdischen Familie beigesetzt wurden. Das Gebäude blieb erhalten und kam in den Besitz der politischen Gemeinde. Später hat man es als Lagerhaus verwendet.

1951 erwarb der Darlehenskassenverein von der JRSO die frühere Synagoge. Das Synagogengebäude blieb - zumindest äußerlich - erhalten und kam (bei einem Wert von 3.500 Mark) für 1.200 Mark nach den Ereignissen beim Novemberpogrom 1938 in den Besitz der politischen Gemeinde. Einige Zeit später wurde es von der Genossenschaft übernommen und als Lagerhaus verwendet. Die Eingangstür wurde verändert sowie ein Rampe angebaut, als das Gebäude für die Lagerung von Kunstdünger verwendet wurde. Schließlich kam das Gebäude in Privatbesitz und wurde vor einigen Jahren renoviert (derzeit Lager eines Maler- und Verputzbetriebes). Es steht unter Denkmalschutz.  

 

(Christine Riedl-Valder)

Bilder

Adresse / Wegbeschreibung

Brunnenstraße 13, 97237 Altertheim

Literatur

  • Axel Töllner / Hans-Christof Haas: Oberaltertheim und Unteraltertheim. In: Wolfgang Kraus, Gury Schneider-Ludorff, Hans-Christoph Dittscheid, Meier Schwarz (Hg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Band III/1: Unterfranken, Teilband 1. Erarbeitet von Axel Töllner, Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Hans Schlumberger unter Mitarbeit von Gerhard Gronauer, Jonas Leipziger und Liesa Weber, mit einem Beitrag von Roland Flade, Lindenberg im Allgäu 2015, S. 750-762.