Jüdisches Leben
in Bayern

Thundorf Synagoge

In dem Fachwerkbau der ehemaligen „Ritterschule“ aus dem 16. Jh. wurde vermutlich in den 1680er Jahren ein Betraum eingerichtet. 1683 wird nämlich erwähnt, dass die Juden die Herrschaft um Erlaubnis dafür baten und anboten, für den Betraum jährlich eine Zinszahlung zu leisten. Die „Ritterschule“ stammte aus dem 16. Jh. und war einst für die Kinder der Adeligen errichtet worden. Nach dem Dreißigjährigen Krieg hatte im vorderen Hausteil (Nr. 63, An der Ritterschule 2) bis 1680 die Vogtei ihren Sitz, danach das evangelische Pfarrhaus. In dem rückwärtigen Hausteil (Am Kirchberg 2, An der Ritterschule 4) wohnten ab 1688/1691 jüdische Familien. 1789 wird ein jüdisches Ritualbad, das dem Anwesen vorgelagert war, erstmals erwähnt. In der ersten Hälfte des 19. Jh. wurden beide Teile des einst herrschaftlichen Gebäudes von der jüdischen Gemeinde erworben und 1845/1846 zur Synagoge mit Lehrerwohnung umgebaut (Am Kirchberg 2).

Nach Wegzug der jüdischen Gemeindeglieder und der Auflösung der Gemeinde 1887 hat man die Synagoge verkauft. Sie wurde zu einem Wohnhaus umgewandelt.

 

(Christine Riedl-Valder)

Bilder

Adresse / Wegbeschreibung

Am Kirchberg 2, 97711 Thundorf in Unterfranken

Literatur

  • Cornelia Berger-Dittscheid: Maßbach mit Thundorf. In: Wolfgang Kraus, Hans-Christoph Dittscheid, Gury Schneider-Ludorff (Hg.): Mehr als Steine… Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. III/2: Unterfranken Teilband 2.1. Erarbeitet von Cornelia Berger-Dittscheid, Gerhard Gronauer, Hans-Christof Haas, Hans Schlumberger und Axel Töllner unter Mitarbeit von Hans-Jürgen Beck, Hans-Christoph Dittscheid, Johannes Sander und Elmar Schwinger, mit Beiträgen von Andreas Angerstorfer und Rotraud Ries. Lindenberg im Allgäu 2021, S. 213-238.