Jüdisches Leben
in Bayern

Memmelsdorf Synagoge

1728 beauftragte die jüdische Gemeinde den Seßlacher Baumeister Johann Georg Salb mit der Errichtung einer Synagoge. Der quadratische Grundriß mit einer Kantenlänge von fast 13 Metern umfasste den Männerbetsaal, eine Frauenempore und eine Lehrerwohnung. Der Toraschrein vor der Ostwand zwischen zwei hohen Fenstern ist bis heute erhalten.

Die Synagoge erfuhr seit dem 18. Jahrhundert eine Reihe von Renovierungen und Umbauten. 1806 wurde eine Flachdecke eingezogen. Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgte eine Neugestaltung des Betsaals. Zwei jetzt fest eingebaute Bankblöcke waren auf den Toraschrein ausgerichtet.

Die Innengestaltung der Synagoge und ihre Ausstattungs- und Ritualgegenstände sind in dem 1916 erschienenen Band der Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern auch bildlich dokumentiert. 1925 erfolgte eine Neugestaltung mit farbigen Innenwänden und einem umlaufenden Zickzackfries.

Im Verlauf des Novemberpogroms am 10.11.1938 zwang ein Mob aus Einheimischen und auswärtigen SA-Leuten die Männer der jüdischen Gemeinde, das nach der Plünderung der Synagoge verbliebene Inventar, wie Torarollen, Textilien und Bücher, in das Freie zu schleppen und auf den Gegenständen herum zu trampeln.

1939 musste die Synagoge und das Schulhaus weit unter Wert an die Gemeinde Memmelsdorf verkauft werden. Es war geplant, einen Turnsaal und einen Gemeinschaftsempfangsraum einzurichten. In der Folgezeit wurden Teile des Gebäudes als Wohnung, Gemeindekühlraum und Lagerraum verwendet. 


Seit 1968 befand sich das Gebäude der Synagoge in Privatbesitz. Zwischen 1979 und 1982 konnte in den Hohlräumen zwischen der Decke und dem Dach an der Ostseite über dem Toraschrein eine Genisa gefunden werden. Hier waren Textilien und Drucke in hebräischer und deutscher Sprache, die von der Gemeinde nicht mehr verwendet worden waren, aufbewahrt.

Dieser Fund gab einen Impuls zu Überlegungen über die weitere Nutzung der Synagoge. 1995 konnte der „Träger- und Förderverein Synagoge Memmelsdorf (Ufr.) e.V.“ das Gebäude mit staatlichen Mitteln und Spenden erwerben. Nach Abschluß der Renovierungsarbeiten ist die Synagoge ein Lernort und ein Gedenkort.

Der Innenraum der Synagoge ist auch mit 360°-Aufnahmen virtuell zu besichtigen. 

Literatur

  • Töllner, Axel / Haas, Hans-Christof: Memmelsdorf mit Gleusdorf, in: Wolfgang Kraus, Hans-Christoph Dittscheid, Gury Schneider-Ludorff (Hrsg.): Mehr als Steine… Synagogen-Gedenkband Bayern, Band III/2: Unterfranken Teilband 2.1. Erarbeitet von Cornelia Berger-Dittscheid, Gerhard Gronauer, Hans-Christof Haas, Hans Schlumberger und Axel Töllner unter Mitarbeit von Hans-Jürgen Beck, Hans-Christoph Dittscheid, Johannes Sander und Elmar Schwinger, mit Beiträgen von Andreas Angerstorfer und Rotraud Ries. Lindenberg i. Allgäu 2021, S. 539-564
  • Harburger, Theodor: Die Inventarisation jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern, hg. von den Central Archives for the History of the Jewish People, Jerusalem, und dem Jüdischen Museum Franken – Fürth & Schnaittach., 3 Bde., Fürth 1998, Bd. 3, S. 385