Jüdisches Leben
in Bayern

Maroldsweisach Synagoge

Zunächst versammelten sich die Maroldsweisacher Jüdinnen und Juden in einem privaten Betraum, über den weiter nichts bekannt ist. Im Jahr 1762 wurde eine freistehende Synagoge errichtet. Bei der Bestandsaufnahme 1817 beschreiben die bayerischen Beamten einen einstöckigen Steinbau, in dem "sich ihre 10 Gebothe, ein Kohr mit Altare und 30 Männerstände" befanden. Theodor Harburger beschrieb das Gebäude in den späten 1920er Jahren als "einfachen, gut proportionierten Bau" in Hanglage, etwas zurückgesetzt von der Straße.

Die höher aufragende Schmalseite des verputzten Massivbaus war nach Osten orientiert und nahm zwei rechteckige Fenster auf. Sie zeigte auf der Putzoberfläche einen Hochzeitsstern mit sechszackigen Stern ohne Beschriftungsspuren. Die Ausstattung war schlicht. Der einfache Toraschrein ruhte aber auf einem ornamental gestalteten Steinsockel, der bei einer Renovierung des Treppenhauses in jüngerer Zeit wiederentdeckt worden ist.                                                          

Vier Stufen führten hinunter in den Betsaal. Die westlich angrenzende Frauenabteilung ist nicht näher beschrieben. Bei Dunkelheit wurde die Synagoge durch drei Messingleuchter und mehrere Wandlichter erhellt. Im Jahr 1890 wurde das Gotteshaus grundlegend renoviert, was in der Literatur zuweilen als kompletter Neubau missdeutet wird. Nach 1933 kam kein Minjan mehr zustande, Gottesdienste fanden nur noch unregelmäßig statt. Am 22. September 1938 verkauften die letzten Gemeindemitglieder ihre Synagoge und das Gemeindehaus an eine Privatperson. Die Ritualien kamen nach Ermershausen, wo sie beim Novemberpogrom 1938 verloren gingen. Die Synagoge hingegen wurde nach 1945 zu einem Wohnhaus umgebaut und steht in seiner Substanz noch heute.     


(Patrick Charell)        

Im Memorbuch von Maroldsweisach ist folgende Episode eingetragen, die nach Magnus Weinberg die Bedeutung eines Memorbuches zeigt "als eines eigentlichen Ahnemorbuches,d. h. als eines Buches, in dem alle auf dem Almemor bei Gelegenheiten zu verrichtenden Gebete in bequemer Weise vereinigt sind. Mit Humor schildert er [der Schreiner des Memorbuchs] z. B. bei eruve chazeroth, wie er erlebt hatte, daß die ganze Gemeinde warten mußte, bis ein Gemeindemitglied nachhause eilte, um das Gelegenheitsgebet herbeizuholen, das auf dem zerfetzten Rest eines Gebetbuches stand, welches durch Erbschaft von seinem Urgroßvater auf ihn übergegangen war. Doch nicht jeder habe das Glück, eine solche große j’ruschoh zu machen. Damals waren die Gebetbücher eben noch nicht so handlich, so billig und mit Gelegenheitsgebeten versehen, wie heute; da mußte das Meinorbuch zur Hand sein" (Weinberg 162).

Adresse / Wegbeschreibung

Vorstadtstraße 16, 96126 Maroldsweisach

Literatur

  • Axel Töllner / Hans-Christof Haas: Maroldsweisach. In: Wolfgang Kraus, Hans-Christoph Dittscheid, Gury Schneider-Ludorff (Hg.): Mehr als Steine… Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. III/2: Unterfranken Teilband 2.1. Erarbeitet von Cornelia Berger-Dittscheid, Gerhard Gronauer, Hans-Christof Haas, Hans Schlumberger und Axel Töllner unter Mitarbeit von Hans-Jürgen Beck, Hans-Christoph Dittscheid, Johannes Sander und Elmar Schwinger, mit Beiträgen von Andreas Angerstorfer und Rotraud Ries. Lindenberg im Allgäu 2021, S. 528-538.
  • Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation. 2. Aufl. München 1992 (= Bayerische Landeszentrale für politische Bildung A85), S. 97.
  • Magnus Weinberg: Die Memorbücher der jüdischen Gemeinden in Bayern, Bd. 1. Frankfurt a.M. 1937 u. 1938, hier S. 157-163.