Jüdisches Leben
in Bayern

Marktsteft Synagoge

Laut einem Bericht des Distriktkommissariats Marktsteft von 1814 existierte in Marktsteft seit 60 Jahren eine Synagoge, auf deren Errichtung im genannten Zeitraum auch eine nicht nachprüfbare Notiz von 1753 hinweist. Am 14. August 1784 schrieb ein Dekret den Marktstefter Juden die jährliche Entrichtung einer Konzessionsabgabe für die Errichtung einer Synagoge in Höhe von zwei Gulden vor.

Wahrscheinlich war die im 18. Jahrhundert erbaute Synagoge identisch mit einem Gebäude, das am südlichen Ortsrand von Marktsteft und in der südwestlichen Ecke der planmäßig erfolgten Dorferweiterung des 18. Jahrhunderts lag. Die auf einem rechteckigen Grundriss errichtete Synagoge war rund 12 Meter lang und 7 Meter breit. Pläne, Abbildungen oder historische Fotos der Synagoge sind bisher nicht aufgetaucht.

Laut dem in Jerusalem verwahrten Marktstefter Gemeindebuch feierte die Gemeinde regelmäßig Gottesdienst in der Synagoge, in der sie auch Reparaturen durchführen ließ. Bereits in der Zeit vor 1850 fielen für Wachs und Licht in der Synagoge beträchtliche Summen an. In den 1830er Jahren sind regelmäßige Ausgaben der Gemeinde für den Synagogendienst des Lehrers belegt, der als Vorsänger fungierte. 

Von 1840 bis 1851 war Marktbreit für kurze Zeit Sitz des Distriktsrabbinats für die jüdischen Gemeinden des Maindreiecks und des südlichen Steigerwalds, das dann nach Mainbernheim und anschließend nach Kitzingen verlegt wurde. Nachdem in der 1860er Jahren und später sich die jüdische Gemeinde durch Wegzug stark verkleinerte, ist es nicht sicher wie lange noch die Synagoge genutzt werden konnte,

Um 1900 wurde die ehemalige Synagoge (Güntherstraße 11) verkauft und 1956 abgebrochen. Am Ort der Synagoge stehen heute Garagen.


(Stefan W. Römmelt)

Literatur

  • Schlumberger, Hans / Haas, Hans-Christof: Marktbreit mit Gnodstadt, Marktsteft, Obernbreit und Segnitz, in: Wolfgang Kraus, Hans-Christoph Dittscheid, Gury Schneider-Ludorff (Hrsg.): Mehr als Steine… Synagogen-Gedenkband Bayern, Band III/2: Unterfranken Teilband 2.2. Erarbeitet von Cornelia Berger-Dittscheid, Gerhard Gronauer, Hans-Christof Haas, Hans Schlumberger und Axel Töllner unter Mitarbeit von Hans-Jürgen Beck, Hans-Christoph Dittscheid, Johannes Sander und Elmar Schwinger, mit Beiträgen von Andreas Angerstorfer und Rotraud Ries, Lindenberg im Allgäu 2021, S. 1158-1240