Jüdisches Leben
in Bayern

Marktheidenfeld Synagoge

Die 1909 fundierte Kultusgemeinde Marktheidenfeld reichte noch im Gründungsjahr einen Plan für einen Betsaal beim zuständigen Distriktsrabbinat Würzburg ein. Er sollte im Privathaus von Andreas Stumpf am Mainkai (Haus-Nr. 261, Heute: Mainkai 7) eingerichtet werden. Bedenken des Rabbiners Nathan Bamberger wegen einiger Unzulänglichkeiten wurden mit dem Argument entkräftet, dass es sich dabei nur um ein Provisorium handle. 

Das quadratische, dicht möblierte Zimmer befand sich im Obergeschoss des Hauses und ermöglichte die Gottesdienste nur in drangvoller Enge. 1912 unterstützte das Bezirksamt einen Antrag zur Förderung der finanzschwachen Kultusgemeinde, da immer noch Gegenstände für den Gebetsraum fehlten.

Zu einem nicht bekannten Zeitpunkt entschloss sich die Kultusgemeinde Marktheidenfeld zur Verlegung ihres Betsaales in das Haus der Familie Adler in die Glasergasse 5. Über die genaue Lage und Ausstattung des neuen Gottesdienstraumes existieren keine Informationen.

1934 beschmierten unbekannte Täter das Haus Glasergasse 5, in dem sich der jüdische Betsaal befand, mit antisemitischen Parolen.

An dem heute noch erhaltenen Gebäude erinnert eine Tafel an seine einstige Nutzung durch die jüdische Kultusgemeinde. Die Inschrift lautet: „In diesem Haus befand sich in der Zeit der Weimarer Republik der Gebetssaal der jüdischen Gemeinde.“

 

(Christine Riedl-Valder)

Literatur

  • Schlumberger, Hans / Berger-Dittscheid, Cornelia: Marktheidenfeld, in: Wolfgang Kraus, Gury Schneider-Ludorff, Hans-Christoph Dittscheid, Meier Schwarz (Hrsg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Band III/1: Unterfranken, Teilband 1. Erarbeitet von Axel Töllner, Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Hans Schlumberger unter Mitarbeit von Gerhard Gronauer, Jonas Leipziger und Liesa Weber, mit einem Beitrag von Roland Flade, Lindenberg im Allgäu 2015, S. 272-276