Jüdisches Leben
in Bayern

Mainbernheim Synagoge

Den ersten Hinweis auf eine Synagoge enthält eine auf den 1. August 1737 datierte Ladung zum Judenlandtag, die laut einem handschriftlichen Vermerk in der Mainbernheimer Synagoge publiziert wurde. Möglicherweise wurde die Synagoge 1748 renoviert oder neu gebaut. Darauf deutete bis 1938 ein hebräisches Chronogramm mit der Jahreszahl 1748 über dem Eingang zur Männersynagoge hin.

Die Synagoge war ein eingeschossiger, rund 9 Meter langer und rund 7 Meter breiter, auf viereckigem Grundriss errichteter Massivbau mit einem Satteldach. Zwei hohe Rechteckfenster flankierten den an der Ostseite des Gebäudes gelegenen Toraschrein, während die Südfassade drei hohe Rechteckfenster aufwies. 

Den Betraum mit rechteckigem Grundriss schloss ein hölzernes Tonnengewölbe. Der rund 2 Meter lange, 2 Meter breite und rund 1 Meter hohe Almemor war aus Stein gearbeitet. Den rund 2 Meter breiten und 4 Meter hohen Toraschrein flankierten 2 Säulen mit korinthischen Kapitellen, die einen Architrav mit einem mit einer Muschel und zwei Vasen verzierten Dreiecksgiebel trugen. Im Männerbetsaal fanden 34 und auf der Frauenempore 12 Personen Platz. 

Aus der Mitte des 19. Jahrhunderts stammten drei Messing-Leuchter, die den Betsaal beleuchteten. Zum Inventar der Synagoge gehörte auch ein Chanukkaleuchter aus Messing und Toraschmuck wie ältere Toramäntel.  

Während des Pogroms am 10. November 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge zerstört. Die Paramente und Gebetbücher wurden auf dem Schießhausplatz verbrannt. Nachdem das Synagogendach abgedeckt worden war, wurde der Dachstuhl abgerissen. Anschließend wurde die Synagoge bis auf die Umfassungsmauern abgebrochen.

Nach 1945 wurde auf den Umfassungsmauern der Synagoge ein neues Gebäude mit einer anderen Dachform aufgebaut. 


(Stefan W. Römmelt)

Literatur

  • Schlumberger, Hans / Haas, Hans-Christof: Mainbernheim, in: Wolfgang Kraus, Hans-Christoph Dittscheid, Gury Schneider-Ludorff (Hrsg.): Mehr als Steine… Synagogen-Gedenkband Bayern, Band III/2: Unterfranken Teilband 2.2. Erarbeitet von Cornelia Berger-Dittscheid, Gerhard Gronauer, Hans-Christof Haas, Hans Schlumberger und Axel Töllner unter Mitarbeit von Hans-Jürgen Beck, Hans-Christoph Dittscheid, Johannes Sander und Elmar Schwinger, mit Beiträgen von Andreas Angerstorfer und Rotraud Ries, Lindenberg im Allgäu 2021, S. 1119-1136