Jüdisches Leben
in Bayern

Floß Synagoge

Die Gottesdienste wurde zunächst im Haus des Moses Hirsch gefeiert. Ende des 17. Jh. entstand ein weiterer Betsaal im Anwesen des Isaac Ploch, der mit seinen Leuten den zuerst eingerichteten Betraum sabotierte. Der Streit musste schließlich von der Regierung in Sulzbach entschieden werden, die für die Messen das Haus des Moses Hirsch bestimmte. Die Gottesdienste fanden dort bis 1720 statt.

Pfalzgraf Theodor Eustach genehmigte den Juden in Floß 1719 die Errichtung eines Synagogenbaus. Er war 1721/22 vollendet. Es handelte sich um ein Holzhaus auf steinernen Grundmauern, das am Rand des Judenberges, wohl unterhalb der späteren Judengasse, stand. Die Synagoge verfügte über 27 Männer- und 27 Frauenstände. Nachdem die Kultusgemeinde im Laufe des 18. Jh. stark angewachsen war, erweiterte man die Ausstattung im Jahr 1780 mit elf Männer- und 19 Frauenbetstühlen. Sie wurden unter den 40 jüdischen Familien, die damals auf dem „Judenberg“ lebten, versteigert. 1804 erhielt das Gotteshaus einen kleinen Anbau. Neun Jahre später zerstörte jedoch ein Großbrand, der fast die gesamte Bebauung der jüdischen Siedlung in Asche legte, das Gebäude. Nur die sieben Torarollen konnten gerettet werden. 

Die Erneuerung der Synagoge wurde sofort in Angriff genommen. Knapp fünf Monate nach der Katastrophe lagen im September 1813 bereits die Baupläne vor. Der Entwurf des Bayreuther Kreisbauinspektors Johann Daniel Tauber sah an dem neuen Standort Judenberg 31 a (heute Am Berg 1) einen zweigeschossigen, klassizistischen Neubau über achteckigem Grundriss vor. Obwohl die verarmte jüdische Gemeinde einen schlichteren Rechteckbau bevorzugt hätte, setzte der damalige Landrichter Karl Franz Reisner dieses Konzept durch. Doch wurde er per Regierungsbeschluss gezwungen, an der Westseite einen zusätzlichen Vorraum zu akzeptieren, den die rituellen Vorschriften zum Zwecke der Reinigung und Sammlung vor dem Gottesdienst erforderten. Auch der aufwendige Ausstattungsplan der neuen Synagoge verursachte Streitigkeiten, da er in einigen Punkten dem jüdischen Religionsgesetz widersprach. Der Innenraum, der in seinem heutigen Aussehen auf die bis 2005 durchgeführte Restaurierung zurückgeht, ist durch zwölf Holzsäulen gegliedert, die das Achteck nachvollziehen und die Frauenempore tragen. Er bot unten Platz für 65 Männersitze. 1817 fand die feierliche Einweihung des Gotteshauses statt. Die Rede von Rabbiner Moses Wittelshöfer bei der Einweihung erschien 1818 unter dem Titel "Rede am Tage der Einweihung der neuerbauten Synagoge bei der jüdischen Gemeinde zu Floß am 20. August 1817" auf Deutsch und Hebräisch im Druck.

Eine Veränderung der Einrichtung und Neuverteilung der Sitzplätze erfolgte 1867.

Während der Reichspogromnacht (9./10.11.1938) entwendeten zwei Männer der NSDAP-Kreisleitung die Ritualien aus der Synagoge. Am Morgen danach schlugen die Nazis die Eingangstüren und Fenster der Synagoge ein, zerstörten die Einrichtung mit den sakralen Gegenständen und verbrannten u.a. Gebetbücher und -schals. Am Gebäude selbst wurde kein Feuer gelegt, vermutlich aus Sorge, dass das ganze Viertel dabei in Flammen aufgehen könnte.

Nach dem 2. Weltkrieg kam die kurzzeitig aus jüdischen Flüchtlingen bestehende Kultusgemeinde in den Besitz der Synagoge. Sie verkauften das Gebäude 1948 an eine Privatperson, die darin eine Schuhfabrik unterbrachte. Der Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern erwarb das Haus, das dann u.a. als Lagerhalle diente und weiter verfiel. 1971 entschloss man sich in Zusammenarbeit mit der Marktgemeinde Floß, dem Landratsamt Neustadt an der Waldnaab und dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege in München zur Wiederherstellung der ehemaligen Synagoge. 1980 erfolgte die erneute Einweihung als jüdisches Gotteshaus. Seitdem wird es von der Kultusgemeinde Weiden betreut und genutzt. Eine weitere aufwendige Renovierung der Synagoge, bei der u.a. eine neue Farbfassung des Außenbaus und des Inneren nach alten Vorlagen erfolgte, wurde ab dem Jahr 2000 durchgeführt und 2005 mit einem Festakt abgeschlossen.

 

(Christine Riedl-Valder)

Literatur

  • Angela Hager / Cornelia Berger-Dittscheid: Floß. In: Wolfgang Kraus, Berndt Hamm, Meier Schwarz (Hg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. 1: Oberfranken, Oberpfalz, Niederbayern, Oberbayern, Schwaben. Erarbeitet von Barbara Eberhardt und Angela Hager unter Mitarbeit von Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Frank Purrmann. Lindenberg im Allgäu 2007, S. 244-252.
  • Renate Höpfinger: Die Judengemeinde von Floß: 1684 - 1942. Die Geschichte einer jüdischen Landgemeinde in Bayern. Kallmünz 1993.