Jüdisches Leben
in Bayern

Fischach Synagoge

Ein erster Betraum der Zeit nach dem 30jährigen Krieg wird in einem Wohnhaus (wahrscheinlich Am Judenhof 2) vermutet. Möglicherweise kann der Parochet, der Vorhang vor dem Tora-Schrein, den Theodor Harburger 1927 fotografierte und der in das Jahr 1719 datiert ist. dieser frühen Phase zugewiesen werden. Seit 1728 bemühte sich die Gemeinde, die in diesen Jahren fast 30 Familien umfasste, um den Bau einer eigenen Synagoge.

1739 verkaufte Simon Mendle einen Bauplatz, der an sein Haus angrenzte. Das Grundstück (Am Judenhof 4) maß etwa 210 Quadratmeter. Das Augsburger Domkapitel gab nur widerwillig seine Zustimmung, die Untertanen des Domkapitels sollten aber weder Material liefern noch auf dem Bau beschäftigt werden. Der 1739 eingeweihte Bau war nach Auffassung des katholischen Ortspfarrers sehr kostbar, seine eigene Kirche bezeichnete er als Stadel.

Es ist anzunehmen, dass sich die Substanz bis zur Profanierung 1938 erhalten hat und die Außenmauern des später umgebauten Gebäudes den ursprünglichen Kern wiedergeben. Das Gebäude bildete mit den beiden Häusern Am Judenhof 173 und am Judenhof 2 ein bauliches Ensemble. An den quadratischen Betsaal schlossen sich im Westen die Wohnung des Vorsängers, der Eingang zur Mikwe und die für Männer und Frauen getrennten Eingänge an. Das schlichte Gebäude fügte sich in das Gesamtensemble ein und unterschied sich nur durch die größeren Rundbogenfenster. Ein Foto aus dem 19. Jahrhundert zeigt eine flache Kuppel und einen einfachen Toraschrein, darüber ein querovales Misrachfenster. Der Almemor über einem kreisförmigen Grundriss besaß ein schmiedeeisernes Geländer.

Im Verlauf seiner Inventarisation jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler fotografierte Theodor Harburger im Februar 1927 in der Synagoge Fischach. Von den drei Tora-Schilden des 18. Jahrhunderts sind noch zwei erhalten, vom Tora-Aufsatz, dem Tora-Vorhang von 1719 und dem 1738 begonnenen Memorbuch fehlt jede Spur. Auch die hier dokumentierte Urkunde des Verkaufs des Synagogengrundstücks an die jüdische Gemeinde ist verschwunden.

Möglicherweise handelt es sich hier um die materiellen Verluste, die bei der Plünderung des Synagoge am 15. November 1938 zu beklagen waren. An diesem Tag drangen SS-Leute aus Augsburg in das Gebäude ein, sprengten den Toraschrein und zwangen die Männer, die Synagoge auszuräumen und die Ritualien auf Lastwagen zu verladen. Nur eine Esther-Rolle konnte gerettet werden. Sie befindet sich heute in der Gemeinde Fischach. Im Jüdischen Museum Augsburg Schwaben werden drei Tora-Schilder des 18. Jahrhunderts verwahrt Das Denkmal für die bayerischen jüdischen Gefallenen des Erste Weltkriegs konnte aus der Synagoge gerettet und in die Tahara-Halles des jüdischen Friedhofs gebracht werden.

Das Synagogengebäude mussten die Gemeindevorsteher an die Firma Rees verkaufen, die es zu einem Wohngebäude umbaute. Eine Gedenktafel erinnert an die Vergangenheit als Gotteshaus.

Bilder

Literatur

  • Berger-Dittscheid, Cornelia: Fischach, in: Wolfgang Kraus, Berndt Hamm, Meier Schwarz (Hrsg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Band 1: Oberfranken, Oberpfalz, Niederbayern, Oberbayern, Schwaben. Erarbeitet von Barbara Eberhardt und Angela Hager unter Mitarbeit von Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Frank Purrmann, Lindenberg i. Allgäu 2007, 440-452
  • Harburger, Theodor: Die Inventarisation jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern, hg. von den Central Archives for the History of the Jewish People, Jerusalem, und dem Jüdischen Museum Franken – Fürth & Schnaittach., 3 Bde., Fürth 1998, Bd. 2, S. 187-199
  • Schönhagen, Benigna Hg.): "Ma tovu ... Wie schön sind deine Zelte, Jakob ..." Synagogen in Schwaben mit Beiträgen von Henry G. Brandt, Rolf Kießling, Ulrich Knufinke und Otto Lohr, München 2014, S. 43-49