Jüdisches Leben
in Bayern

Fellheim Synagoge

In den ersten Jahren feierte die jüdische Gemeinde Fellheim ihre Gottesdienste in einem Privathaus. Freiherr Johann Christoph Reichlin plante 1712 für seine Schützlinge eine Synagoge zu errichten, doch der damalige Augsburger Bischof vereitelte diesen Plan. Erst 1786 konnte dieses Vorhaben verwirklicht werden. Maurermeister Thaddäus Rüeff aus Gutenzell errichtete an der Landstraße (Haus Nr. 58, heute: Memminger Str. 17) einen ansehnlichen dreistöckigen Barockbau mit halbkreisförmiger Vorhalle und einem angebautem Treppenhaus, das zur Frauenempore führte. 

Erst ab 1786 entstanden die wichtigsten Baulichkeiten, die Synagoge, der Friedhof, die Religionsschule und eine Mikwe. Die Synagoge wurde an der Landstraße Memmingen-Ulm errichtet (Haus Nr. 58, heute Memminger Straße 17). Sie besaß ein Stiegenhaus zur Frauenempore und eine halbkreisförmige Vorhalle.

Mitte des 19. Jahrhunderts gab es Zwistigkeiten zwischen dem reformfreudigen Rabbiner Dr. Marx Hayum Seligsberg und der orthodoxen Gemeinde über die Ausstattung der Synagoge. Streitpunkte waren die Höhe des Almemors, der Ersatz von Betstühlen durch feste Bänke und die Errichtung einer „Emporbühne“ für die Jugend. Der Rabbiner, der 47 Jahre in Fellheim wirkte, sah sich immer wieder der Kritik der Gemeindevorstände an seinen Predigten uns seinem angeblich unsoliden Lebenswandel ausgesetzt.

Baufälligkeit erzwang 1859 eine grundlegende Sanierung der Synagoge. Die verarmte jüdische Gemeinde konnte die Kosten dafür aber nicht aufbringen und ersuchte um die Erlaubnis zur Durchführung einer deutschlandweiten Kollekte. Während man auf die Genehmigung wartete, trafen 2000 Gulden an Spenden von ehemaligen jüdischen Bürgern Fellheims, die nach Amerika ausgewandert waren, ein. Mit diesen finanziellen Mitteln konnte die Erneuerung der Synagoge 1859 durchgeführt werden. Mauermeister Deutschenbaur von Babenhausen schuf eine monumental wirkende, neuromanische Synagoge, die aus der einfachen, ärmlichen Bebauung ihrer Umgebung auffällig hervortrat und die Bedeutung der Kultusgemeinde unterstrich.

Die Außenmauern wurden erhöht und im inneren eine dreiseitige Frauenempore eingezogen. Sie war über einen Treppenturm auf der Südseite zugänglich. Der rechteckige Grundriss von ca. 15 x 10 m war nach Osten ausgerichtet. Die Schaufassade zur Landstraße hin war die westliche Schmalseite, die sich am neuromanischen Kirchenbau orientierte. Das im Vergleich zu den umliegenden einfachen Profanbauten durchaus monumental wirkende Gebäude zeigte das Selbstverständnis dieser schwäbischen Landgemeinde, deren Einwohnerzahl zu dieser Zeit aber beträchtlich abnahm.

Im Zuge der Novemberpogrome 1938 wurde der Sakralbau von Nationalsozialisten der Nachbargemeinde Boos und von SS-Truppen aus Memmingen aufgebrochen und das Innere verwüstet. Sie entwendeten wertvolle Ritualien, darunter zehn alte Torarollen, einen Toramantel und ein Parochet aus dem Jahr 1796 und vernichteten die Gegenstände später. Synagoge und Friedhof wurden von der Luftwaffe beschlagnahmt. Im Zweiten Weltkrieg lagerten Flugzeugmotorteile in dem Gebäude.

Sieben der Täter, die in Fellheim während des Novemberpogroms 1938 an den Zerstörungen beteiligt waren, wurden 1948 vom Landgericht Memmingen teils zu Gefängnisstrafen zwischen vier bis 15 Monaten, teils zu Geldzahlungen für die Reparaturen an Friedhof und Synagoge verurteilt. Die 1946 von der Kultusgemeinde Memmingen verfolgte Absicht, die Synagoge von Fellheim als jüdisches Gotteshaus für die in der Region lebenden Juden wieder aufzubauen, wurden nicht verwirklicht. Im Jahre 1951 wurde das Gebäude verkauft und als Wohnhaus umgebaut. .

2007 erwarb die Gemeinde Fellheim das Gebäude. Der 2010 gegründete Förderkreis Synagoge Fellheim e.V. setzte sich für den Rückbau des Gebäudes ein. 2015 konnte die „Ehemalige Synagoge Fellheim“ eingeweiht werden. Die restaurierte ehemalige Synagoge ist das einzige im Allgäu erhalten gebliebene Synagogengebäude.

Literatur

  • Michael Habres: Die Wiederherstellung der ehemaligen Synagoge in Fellheim. In: Denkmalpflege Informationen 163 (März 2016), S. 23-26.
  • Benigna Schönhagen (Hg.): "Ma tovu ... Wie schön sind deine Zelte, Jakob ..." Synagogen in Schwaben. München 2014, S. 109-113.
  • Cornelia Berger-Dittscheid: Fellheim. In: Wolfgang Kraus, Berndt Hamm, Meier Schwarz (Hg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Band 1: Oberfranken, Oberpfalz, Niederbayern, Oberbayern, Schwaben. Erarbeitet von Barbara Eberhardt und Angela Hager unter Mitarbeit von Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Frank Purrmann, Lindenberg i. Allgäu 2007. S. 431-439.