Jüdisches Leben
in Bayern

Dornheim Synagoge

Im Frühjahr 1820 wurden erstmals eine Dornheimer Synagoge und der Toraschrein erwähnt, als sich im Ort ansässige Juden beim Herrschaftsgericht Hohenlandsberg über Moses Hirsch Rosenfeld beschwerten, einen der beiden Gemeindedeputierten. Anlass war eine Unstimmigkeit bei der Versteigerung der Tora-Aushebung an die Gemeindemitglieder. Laut einem Dokument von 1833 war die Synagoge (ein Betsaal) in einem rund 7 auf 13 m großen Doppelhaus untergebracht, in dem der Händler Wolf Laermer lebte.

Zur Vorbereitung eines Synagogenneubaus erwarben 1847/1848 mehrere Mitglieder der jüdischen Kultusgemeinde von dem Breitengüßbacher Webermeister Willibald Schmittlein eine Hofstatt mit rund drei Tagwerk Ackerland, Weiderechten und diversen Grunddienstgerichtsbarkeiten an der heutigen Hellmitzheimer Straße. Eine Gasse erschloss das am westlichen Ortsrand gelegene Anwesen. An das Wohnhaus war eine Scheune angebaut, die 1848/1849 zum Betsaal umgebaut wurde. Der Fachwerkbau war ein zweigeschossiger, auf einem fast quadratischen, rund acht Meter breiten und etwa 8 Meter langen Grundriss errichteter Walmdachbau. Möglicherweise lag der Betsaal im Obergeschoss des Gebäudes. Erschlossen wurde die Synagoge laut einem 1914 erstellten Grundriss über die Südwand des östlich gelegenen Wohnhauses. Am 17. September 1849 weihte der Welbhauser Distriktsrabbiner Dr. Elkan Weismann die Synagoge ein. Danach wurden zwölf Synagogenstände auf Dauer an den meistbietenden Familienvorstand versteigert. Die restlichen Synagogenstände sollten jedes Jahr am Tag vor Neujahr für ein Jahr versteigert werden. Die Regelung, dass nur verheiratete Vollmitgliedern der Kultusgemeinde des Jahres 1849, die am Kauf der zur Synagoge umgebauten Scheune beteiligt waren, Synagogenstände erwerben durften, provozierte fast zehn Jahre später eine Beschwerde des Dornheimer Juden Abraham Israel Meyer. 1858 beschwerte sich Meyer beim Landgericht Markt Bibart, dass der Vorstand der jüdischen Gemeinde ihm den Verkauf eines Gebetstuhls verweigere. Auf Anraten des Landgerichts rief Meyer schließlich die damals für Dornheim zuständige Kreisregierung von Mittelfranken in Ansbach an. Die Behörde wies Meyers Beschwerde aber zurück, als die Dornheimer Kultusgemeinde 1860 eine beglaubigte Übersetzung des entsprechenden, hebräischen Beschlusses der Gemeindeversammlung vom 17. September 1849 vorlegen konnte.   

Da die Dornheimer Gemeinde bereits zu Beginn der 1920er Jahre stark geschrumpft war, fand in der Synagoge wohl zu dieser Zeit kein regelmäßiger Gottesdienst mehr statt. Theodor Harburger inventarisierte in den 1920er Jahren unter anderem fünf aus dem 18. Jahrhundert stammende Toravorhänge, zwei Toramäntel, eine silberne, teilvergoldete Torakrone und ein Toraschild mit Kranzgewinde und eine Halbkrone tragenden Löwen. Das überwiegend im klassizistischen Stil gehaltene Torasilber entstand wahrscheinlich im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts und gehörte wohl bereits vor dem Neubau 1848/1849 zum Bestand der alten Synagoge.

Laut einer Notiz des Marktbreiter Lehrers Simon Brückheimer aus der Zeit um 1930 wurden das Matrikel- und Memorbuch der Gemeinde zu diesem Zeitpunkt von einem Gemeindemitglied aufbewahrt. Bei einem Luftangriff wurden die Dornheimer Synagoge und das ehemalige Schulhaus völlig zerstört.


(Patrick Charell)

Literatur

  • Hans Schlumberger / Hans-Christof Haas: Dornheim. In: Wolfgang Kraus, Hans-Christoph Dittscheid, Gury Schneider-Ludorff (Hg.): Mehr als Steine… Synagogen-Gedenkband Bayern, Band III/2: Unterfranken Teilband 2.2. Erarbeitet von Cornelia Berger-Dittscheid, Gerhard Gronauer, Hans-Christof Haas, Hans Schlumberger und Axel Töllner unter Mitarbeit von Hans-Jürgen Beck, Hans-Christoph Dittscheid, Johannes Sander und Elmar Schwinger, mit Beiträgen von Andreas Angerstorfer und Rotraud Ries. Lindenberg im Allgäu 2021, S. 977-986.