Jüdisches Leben
in Bayern

Demmelsdorf Synagoge

Bis Mitte des 18. Jahrhunderts besuchten die Demmelsdorfer Juden laut einer vertraglichen Regelung die Gottesdienste und den Unterricht in der Nachbargemeinde Zeckendorf. 1748 errichtete die jüdische Gemeinde dann im Zentrum von Demmelsdorf (Haus Nr. 27; heute Benno-Schmitt-Str. 25) eine eigene Synagoge, die bis ins 20. Jahrhundert auch von den zur Gemeinde gehörigen Juden in Scheßlitz genutzt wurde. Es handelte sich um einen Massivbau mit Walmdach, der zirka 14 m lang und 8 m breit war. In der östlichen Hälfte befand sich der Betsaal mit 31 Männer- und 28 Frauenstühlen. Im Westteil waren die Lehrerwohnung und der Unterrichtsraum untergebracht.

Bei einer umfassenden Renovierung der Synagoge 1841 erhielt der Betsaal eine neue Ausstattung und die Bima wurde, gemäß der liberalen Ausrichtung der Gemeinde, an die Ostwand verschoben. Eine Mikwe wurde im Jahr 1870 in einer Ecke des Grundstücks von Aaron Herrmann (Haus Nr. 3) errichtet, das sich in Bachnähe befand. 1927 hat man die Synagoge neu instandgesetzt. Der Betsaal erhielt dabei unter anderem eine reiche Innenausstattung mit Ornamentmalereien, Vergoldungen und einem Sternenhimmel an der Decke. Die Finanzierung dieser Modernisierung übernahm größtenteils das ehemalige Gemeindemitglied Karl Heimann, der nach München umgesiedelt war.

Am 10. November 1938 wurde die Synagoge im Innern durch Nationalsozialisten aus dem Ort und Bamberg zerstört. Nur weil für die umliegenden Gebäude Brandgefahr bestand, entging das Gotteshaus dem Feuer. Jedoch mussten die Demmelsdorfer Juden die Reste der Einrichtung zusammen mit ihren Torarollen und Gebetbüchern auf einen Wagen laden und auf ein freies Feld an der Straße nach Scheßlitz fahren, wo alles in Brand gesetzt wurde. Kurz nach der Pogromnacht erwarb ein christlicher Maurer die Demmelsdorfer Synagoge und ließ sie abtragen. Die Bayerische Bauernsiedlungsgesellschaft München (Zweigstelle Bamberg), eine staatliche Enteignungsinstitution, verkaufte anschließend das Grundstück an einen Bauern im Dorf.


(Christine Riedl-Valder)

Literatur

  • Angela Hager / Hans-Christof Haas: Demmelsdorf. In: Wolfgang Kraus, Berndt Hamm, Meier Schwarz (Hg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. 1: Oberfranken, Oberpfalz, Niederbayern, Oberbayern, Schwaben. Erarbeitet von Barbara Eberhardt und Angela Hager unter Mitarbeit von Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Frank Purrmann. Lindenberg im Allgäu 2007, S. 129-135.