Jüdisches Leben
in Bayern

Aufseß Synagoge

1722 datiert der Ankauf eines Hauses zur Errichtung einer Synagoge. Bereits 1754/55 erfolgte der Ankauf eines Bauplatzes zum Neubau einer Synagoge. Wann der tatsächliche Baubeginn erfolgte, ist nicht festzustellen.

Von 1895 stammt die Baueingabe zur notwendigen Renovierung der Synagoge. Es handelte sich um einen zweckmäßigen zweistöckigen Bau, der sich an die umgebenden Wohnhäuser anpasste. Der Betsaal befand sich im oberen Stock. Im Erdgeschoss war, durch einen eigenen Eingang zu erreichen, die jüdische Schule. Die Schülerzahl nahm gegen Ende des 19. Jh. stark ab. 1883 besuchten nur noch neun Kinder den Unterricht. Im Untergeschoß des Synagogengebäudes befand sich eine Mikwe, deren Nutzung gegen Ende des 19. Jh. Wegen hygienischer Mängel untersagt wurde. Am Ortsrand, heute Neuhauser Str. 44, wurde 1898 eine neue Mikwe errichtet. Nach der Einschätzung von Theodor Harburger von 1927 handelte es sich um einen bescheidenen Bau. Als Detail der Ausstattung der Vorhalle wird überliefert, dass sich dort ein Gemälde befand, das den Jom-Kippur-Gottesdienst der jüdischen Soldaten 1870 vor Metz zeigte. Dieses Motiv war in vielen jüdischen Haushalten als Symbol der angestrebten Teilhabe und Gleichstellung vertreten.

Die Verbindung der jüdischen Gemeinde Aufseß mit der Gemeinde von Heiligenstadt 1902 konnte das Aussterben der Aufseßer Gemeinde nicht verhindern. 1931 erfolgte der Beitritt zur Bamberger Gemeinde. Jetzt wurden schon Teile der Ritualien nach Bamberg gebracht. 1932 wurde wahrscheinlich zum letzten Mal in der Aufseßer Synagoge Gottesdienst gefeiert.

1938 erfolgte der Verkauf des Synagogengebäudes an die Gemeinde Aufseß, die das Gebäude an ein Parteimitlied der NSDAP weiterverkauft. Im Verlauf des Novemberpogrom 1938 wurde die Rückerstattung des Kaufpreises erpresst. Am 10. Dezember 1938 wurde der Abbruch des Synagogengebäudes vollzogen. Heute steht auf dem Grundstück eine Schreinerei.

Literatur

  • Hager, Angela / Berger-Dittscheid, Cornelia: Aufseß, in: Wolfgang Kraus, Berndt Hamm, Meier Schwarz (Hrsg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Band 1: Oberfranken, Oberpfalz, Niederbayern, Oberbayern, Schwaben. Erarbeitet von Barbara Eberhardt und Angela Hager unter Mitarbeit von Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Frank Purrmann. Lindenberg i. Allgäu 2007, S. 66-71
  • Harburger, Theodor: Die Inventarisation jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern, hg. von den Central Archives for the History of the Jewish People, Jerusalem, und dem Jüdischen Museum Franken – Fürth & Schnaittach., 3 Bde., Fürth 1998, Bd. II, S. 29
  • Guth, Klaus: Jüdische Landgemeinden in Oberfranken (1800–1942), ein historisch-topographisches Handbuch, Bamberg 1988 (Landjudentum in Oberfranken. Geschichte und Volkskultur, 1)., S. 92-103
  • Schwierz, Israel: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern, 2. Aufl. München 1992, S. 204f.

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