Jüdisches Leben
in Bayern

Aschbach Synagoge

Das um 1720 erbaute Gotteshaus war den Juden von den Freiherrn von Pölnitz zur Nutzung überlassen worden. Es stand bereits auf dem Grundstück des heute noch existierenden Gebäudes der Synagoge in der Bachgasse 8 (ehemals Haus-Nr. 23).

1763 erwarb die jüdische Gemeinde das Gebäude mit dem Grund und errichtete eine neue Synagoge. Eine eingemeißelte Inschrift am Misrachfenster an der Ostseite des Betsaals nennt das Jahr 1766, in dem der zweigeschossige Massivbau über rechteckigem Grundriss vermutlich vollendet war. In seinem Ostteil lag der Betsaal, im Westteil die Schule (bis Anfang der 1830er Jahre in Betrieb) und die Lehrerwohnung. 1830 erfolgte eine Vergrößerung der Westempore zu einer dreiseitigen Anlage und die Erneuerung der Ausstattung. 1908 hat man an der Synagogen-Südseite durch den Schlüsselfelder Baumeister Joseph Dannert einen zweigeschossigen Anbau errichten lassen, mit dem die bestehende Lehrerwohnung erweitert werden konnte. Am 10. November 1938 zerstörten SS-Einheiten aus Bamberg zusammen mit Aschbacher Bürgern die Inneneinrichtung der Synagoge, karrten alle Gebetbücher und Kultgegenstände zum Marktplatz und verbrannten sie dort. Die jüdischen Dorfbewohner hat man gezwungen, dies mit anzusehen. Ab 1942 wurden die Räume in der Synagoge an Privatleute und an die politische Gemeinde Aschbach vermietet. Auch nach dem 2. Weltkrieg diente das ehemalige Gotteshaus Wohnzwecken. 1951 fiel es in den Besitz der Jewish Restitution Successor Organization (JRSO) und wurde verkauft. Nach einem erneuten Eigentümerwechsel Ende der 1980er Jahre erstellten Studenten des Aufbaustudiums Denkmalpflege der Otto-Friedrich-Universität Bamberg zusammen mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege ein Restaurierungskonzept für die einstige jüdische Synagoge. Das Synagogengebäude ist im bayerischen Denkmal-Atlas verzeichnet.


(Christine Riedl-Valder)

Literatur

  • Haas, Hans-Christof: Aschbach, in: Wolfgang Kraus, Berndt Hamm, Meier Schwarz (Hrsg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Band 1: Oberfranken, Oberpfalz, Niederbayern, Oberbayern, Schwaben. Erarbeitet von Barbara Eberhardt und Angela Hager unter Mitarbeit von Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Frank Purrmann. Lindenberg i. Allgäu 2007, 56‒65..
  • Harburger, Theodor: Die Inventarisation jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern, hg. von den Central Archives for the History of the Jewish People, Jerusalem, und dem Jüdischen Museum Franken – Fürth & Schnaittach., 3 Bde., Fürth 1998, Bd. 2, S. 22