Jüdisches Leben
in Bayern

Amberg Synagoge

Unter Kurfürst Ruprecht II. (reg. 1390-1398) mussten 1391 alle Juden die Stadt verlassen, anschließend wurde die 1384 erstmals erwähnte Synagoge abgerissen und an ihrer Stelle bis 1401 eine dreischiffige Mariahilf-Kirche errichtet. Ähnliches geschah auch in Nürnberg, Regensburg und Würzburg. Als sich in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts wieder Juden in Amberg ansiedelten, beteten sich anfangs in wechselnden Privathäusern. Der Spirituosenhändler Jakob Weinschenk richtete 1881 einen Betraum ein (Obere Nabburger Str. 29). Von 1889 bis 1896 unterhielt die Gemeinde im Haus des katholischen Kürschnermeisters Hans Hartmann (Obere Nabburger Str. 23) einen Schulraum mit Lehrerwohnung und zwei verbundene Beträume mit Platz für 27 Männer und 24 Frauen.

Aufgrund des Mitgliederzuwachses benötigte die ab 1894 selbständig tätige jüdische Gemeinde bald einen größeren Gottesdienstraum. Die großzügige Spende der verwitweten jüdischen Baronin Clara von Hirsch auf Gereuth aus Paris ermöglichte 1896 den Ankauf der beiden stattlichen Massivbauten C 186 und 187 an der Ecke Salzgasse/Zeughausstraße. Nach Umbau und Neuausstattung wurde der Komplex am 3. Dezember 1896 als Synagoge feierlich eröffnet. Er verfügt über ein breites, von Pilastern flankiertes und von Rundbogen und Segmentgiebel bekröntes Portal. Über dem Eingang stehen in hebräischer Schrift die Worte: „Gesegnet ist, wer im Namen Gottes kommt, Haus Israel, segne den Herrn.“ Die nach modernen Gesichtspunkten gestaltete Einrichtung des Betsaales, der sich im Erdgeschoss befand, verwies auf eine reformorientierte Gemeinde. Das Anwesen war Sitz des neuen Gemeindezentrums mit einem Unterrichtsraum und drei Wohnungen. In einem Anbau zum Hof gab es Räume zum rituellen Schächten, ein Waschhaus und die Holzlege.

In der Pogromnacht 1938 marschierten rund 30 SA-Leute in Uniform unter dem Befehl von Kreisleiter Dr. Artur Kolb zur Synagoge. Hausmeister Siegert, ein Christ, musste das Gotteshaus aufschließen. Die Nazis rissen daraufhin mit Pickeln die Möblierung, die Fenster und den Fußboden heraus und trugen die Teile zusammen mit den Torarollen, Gebetbüchern, Messgewändern und Teppichen auf die Straße, um sie dort zu verbrennen. Eine Reihe weiterer sakraler Gegenstände wurde entwendet und abtransportiert. Nur aus Sicherheitsgründen kam es nicht zur Vernichtung des gesamten Gebäudes durch Sprengung, Abriss oder Brandlegung. Nach diesem Gewaltakt wurden die Fenster der Synagoge mit Brettern vernagelt. Bald darauf erwarb die Stadt das Anwesen zu einem Spottpreis. Die dort lebenden jüdischen Familien durften vorerst in ihren Wohnungen bleiben; der Betsaal wurde von der Firma Edeka in der Folgezeit als Getreide- und Lebensmittellager genutzt.

Nach dem Ende des 2. Weltkriegs befahl die Amberger Militärregierung im Sommer 1945 die Renovierung der Synagoge. Im Juli 1945 erschien ein Aufruf im Amtsblatt, der die Rückgabe der aus dem Gotteshaus gestohlenen Gegenstände forderte. Letztlich kamen aber nur noch die wenigen sakralen Stücke zurück, die der jüdische Religionslehrer Leopold Godlewsky vor der Pogromnacht ins Museum gebracht hatte. Zwei Torarollen gelangten über die amerikanischen Besatzer an die neue jüdische Gemeinde, die im Sommer 1945 die Synagoge zurück erhielt und deren Wiedereröffnung am 19. August 1945 feierlich begehen konnte. Aufgrund des Mitgliederzuwachses wurde die Synagoge mehrfach baulich verändert. Ende der 1990er Jahre wurde der Betraum renoviert und durch den Regensburger Künstler Oleg Kuzenko neu ausgestaltet. Der Gemeindesaal im 1. Stock wurde 2004 vergrößert. Im Obergeschoss richtete man zwei Schulungsräume ein, in denen u.a. der Religionsunterricht für Kinder und Erwachsene stattfindet. 2006 ließ die Kultusgemeinde auch die Laubhütte im Hof der Synagoge durch den Künstler Oleg Kuzenko neu dekorieren.

Seit Ende 2021 wird in der Amberger Synagoge wieder die restaurierte "Sulzbacher Torarolle" aufbewahrt. Sie war 2015 von Rabbiner Elias Dray im Toraschrein der Amberger Synagoge entdeckt worden. Die 1792/93 gefertigte Torarolle war ursprünglich in der Synagoge Sulzbach in Gebrauch. Nach Auflösung der Synagoge 1930 kam sie nach Amberg und wurde in Unkenntnis ihrer Bedeutung zunächst im Heimatmuseum und dann in der Synagoge aufbewahrt.

 

(Christine Riedl-Valder)

Bilder

Adresse / Wegbeschreibung

Salzgasse 5, 92224 Amberg

Literatur

  • Barbara Eberhardt / Hans-Christof Haas: Amberg. In: Wolfgang Kraus, Berndt Hamm, Meier Schwarz (Hg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. 1: Oberfranken, Oberpfalz, Niederbayern, Oberbayern, Schwaben. Erarbeitet von Barbara Eberhardt und Angela Hager unter Mitarbeit von Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Frank Purrmann. Lindenberg im Allgäu 2007, S. 229-236.