Jüdisches Leben
in Bayern

Alzenau-Wasserlos Synagoge

Die Israeliten, die in Alzenau und dem nahegelegenen Wasserlos wohnten, besuchten anfangs die Synagoge in Hörstein. 1769 genehmigte ihnen die kurmainzische Landesregierung einen gemeinsamen Betsaal in der Wasserloser Straße in Alzenau. 

Anfang der 1820er Jahre war dieses Gebäude in ruinösem Zustand. Daher beantragte die Kultusgemeinde die Genehmigung zur Errichtung einer neuen Synagoge, die ihr 1824 erteilt wurde. Im darauffolgenden Jahr erwarb die Gemeinde das Anwesen Hausnummer 53 hinter der Hauptstraße (später: Hanauer Str. 10) an der Judengasse (heute Alfred-Delp-Straße) und errichtete auf diesem Grundstück einen Neubau mit einer zweigeschossigen Synagoge, Wohn- und Schulräumen sowie einer Mikwe, die in einem Holzanbau untergebracht war. 1857 mussten umfangreiche Reparaturen durchgeführt und ein Anbau errichtet werden. Anstelle des baufälligen Ritualbades hat man ab 1850 übergangsweise die private Mikwe im Haus von Emanuel Hamburger genutzt, bevor 1853 dafür ein Anbau an der Südseite der Synagoge fertiggestellt war. 1898 war erneut eine Renovierung der Synagoge notwendig geworden, da Feuergefahr durch einen defekten Kamin bestand und die Deckenkonstruktion instabil geworden war. Drei Jahre später erfolgte auch eine Innenrenovierung und der Einbau einer neuen Beleuchtung.

Da das jüdische Gotteshaus um 1910 erneut baufällig geworden war und für die auf über hundert Mitglieder angewachsene Gemeinde keinen ausreichenden Platz mehr bot, wollte man mit Hilfe von Sammlungen und Krediten einen Neubau in Angriff nehmen. Er ließ sich jedoch nicht realisieren. Stattdessen beging man 1926 mit großen Feierlichkeiten die Hundert-Jahr-Feier der alten Synagoge. Noch 1936 konnte die Kultusgemeinde trotz zunehmender antisemitischer Ausschreitungen eine neue Synagogenordnung verabschieden. Am 10. November 1938 plünderten Mitglieder der SA und der Hitlerjugend die Synagoge, schlugen alles kurz und klein und zerstörten auch die Sakralgegenstände, Torarollen und Gebetbücher des Gotteshauses. Die Kultusgemeinde verkaufte daraufhin das Grundstück mit der verwüsteten Synagoge im Februar 1939 an einen Privatmann. 1941 nutzten die Nationalsozialisten diese Ruine zur Unterbringung von französischen Zwangsarbeitern.

Die Überreste des Bauwerkes wurden in den 1960er-Jahren abgetragen. Seitdem erinnert ein Gedenkstein auf dem Grundstück an die ehemalige Synagoge von Alzenau, an ihre böswillige Zerstörung und die grausame Verfolgung der israelitischen Mitbürger.

 

(Christine Riedl-Valder)

Literatur

  • Töllner, Axel /Berger-Dittscheid, Cornelia: Alzenau-Wasserlos, in: Wolfgang Kraus, Gury Schneider-Ludorff, Hans-Christoph Dittscheid, Meier Schwarz (Hrsg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Band III/1: Unterfranken, Teilband 1. Erarbeitet von Axel Töllner, Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Hans Schlumberger unter Mitarbeit von Gerhard Gronauer, Jonas Leipziger und Liesa Weber, mit einem Beitrag von Roland Flade, Lindenberg im Allgäu 2015, S. 55-69

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