Jüdisches Leben
in Bayern

Altenkunstadt Synagoge

Über die ersten jüdischen Gebetsstätten in Altenkunstadt ist nichts überliefert. Sicherlich handelte es sich um eine oder mehrere private Beträume. 1726 errichtete man eine Synagoge auf dem Anwesen 79 (heute Judenhof 3), die 1854 bei einer staatlichen Erhebung als "unfürdenkliches Eigenthum" der Gemeinde bezeichnet wurde. Im Zuge der Restaurierung des Gebäudes in den Jahren 1990 bis 1992 wurde festgestellt, dass sich in diesem zweigeschossigen Massivbau Reste einer Vorgänger-Betstube erhalten haben. 1822 wurden ein Vorbau zur Männersynagoge und ein südlicher Anbau an der Südseite ausgeführt, sowie die Inneneinrichtung erneuert. Die Frauenempore lag im Süden des Betsaals. 1862 folgte eine grundlegende Renovierung.

In der Pogromnacht 1938 verwüstete die NSDAP-Ortsgruppe den Innenraum. Das Gebäude ging zwangsweise an die politische Gemeinde über. Im Zuge der Profanierung erfolgte u.a. der Einbau von mehreren Zimmern im 1. Stock und der Abbruch des Vorbaus. Die Synagoge diente während des 2. Weltkriegs der Unterbringung von französischen Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern; danach wohnten hier Heimatvertriebene aus dem Osten. Später wurde sie als Turnhalle, für Sozialwohnungen und als Lagerraum genutzt und entsprechend umgebaut.

Die erste Maßnahme der 1988 gegründeten „Interessengemeinschaft Synagoge“ war die Anbringung einer Nachbildung des verwitterten Chuppasteins von 1726 in die Außenwand des Synagogengebäudes. Ein Jahr später wurden die Reste der Geniza sichergestellt und von der jüdischen Forschungsstelle beim Bezirk Mittelfranken analysiert. Ab 1990 wurde das Gebäude mit einem Kostenaufwand von insgesamt rund 1,3 Millionen DM renoviert und 1993 als Kultur-, Begegnungs- und Gedenkstätte wiedereröffnet. Eine Dauerausstellung auf der ehemaligen Frauenempore ist der Geschichte der Juden im oberen Maintal gewidmet. Mit einer Gedenktafel wird an die Namen der 13 jüdischen Altenkunstadter Bürger erinnert, die 1942 in Konzentrationslagern ermordet wurden. Nach 35 aktiven Jahren löste sich die Interessensgemeinschaft 2022 auf, die Ausstellung und das Kulturprogramm in der Synagoge wird seitdem von der Kommune weitergeführt.


(Christine Riedl-Valder)

Adresse / Wegbeschreibung

Judenhof 3, 96264 Altenkunstadt

Literatur

  • Angela Hager / Hans-Christof Haas: Altenkunstadt. In: Wolfgang Kraus, Berndt Hamm, Meier Schwarz (Hg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. 1: Oberfranken, Oberpfalz, Niederbayern, Oberbayern, Schwaben. Erarbeitet von Barbara Eberhardt und Angela Hager unter Mitarbeit von Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Frank Purrmann. Lindenberg im Allgäu 2007, S. 49‒55, hier S. 49f u. 53.
  • Theodor Harburger: Die Inventarisation jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern, hg. von den Central Archives for the History of the Jewish People, Jerusalem, und dem Jüdischen Museum Franken – Fürth & Schnaittach, Bd. 2. Fürth 1998, S. 4-5.