Die erste Adelsdorfer Synagoge soll laut einem Urbar von 1617 "hinter oder nach Hanns Boeheim gelegen" sein. Dieser Flurname lässt heute leider keine Standortbestimmung mehr zu. Ein neuer Gebetsraum befand sich im Jahr 1663 in "Pulvers Juden-Haus". Ende des 17. Jahrhunderts stand die Synagoge erstmals als eigenständiges Gebäude neben dem "Haus von Berlein Judt", nahe dem zentral gelegenen Schloss Adelsdorf. Wahrscheinlich handelte es sich bereits um das Anwesen am Standort der heutigen Adelhardsgasse 3. Einer nicht bestätigten Ortstradition zufolge predigten die Adelsdorfer Rabbiner gelegentlich von der sogenannten "Judenkanzel" im Schlosshof der Freiherren von Bibra (einem überdachten Absatz der Außentreppe).
Wohl im 18. Jahrhundert wurde das Gotteshaus durch einen Neubau an derselben Stelle und mit Beibehaltung von Teilen der alten Ausstattung ersetzt. Die Synagoge hatte einen annähernd quadratischen Grundriss und war zweigeschossig. Im Südwesten befand sich ebenerdig die Wohnung des Rabbiners bzw. Religionslehrers, im Obergeschoss war dessen Schulzimmer eingerichtet. Der Betsaal lag vermutlich im südöstlichen Teil des Gebäudes, zwei Stufen unter dem Straßenniveau und an der Westseite zum Hausflur durch ein Pilastergitter abgetrennt.
In diesem Gebäude hielt der gebürtige Adelsdorfer und spätere berühmte Reformrabbiner Isaak Loewi (1803-1873) im Herbst des Jahres 1826 drei weithin beachtete Probevorträge. 1852 wurde die Bausubstanz kernsaniert, wodurch einige Angaben zur Innenausstattung erhalten sind: Der hölzerne Toraschrein im Empirestil mit korinthische Doppelsäulen, zwei Messingleuchter am Toraschrein sowie sechs Wand- und drei Hängeleuchter als Lichtquellen, an der Ostfassade war ein Traustein mit einem sechseckigen Stern eingelassen. Die Konstruktion der Frauenempore ist nicht mehr nachvollziehbar.
Im Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge von NS-Schergen demoliert, wobei auch eine Gedenktafel für die jüdischen Kriegstoten im Ersten Weltkrieg verloren ging. Am 13. März 1941 musste Justin Fleischhauer als Vertreter der israelitischen Kultusgemeinde die Synagoge mitsamt dem dazugehörigen Grundstück sowie einen "Acker im Ziegenanger" für lediglich 500 Reichsmark an die politische Gemeinde Adelsdorf veräußern. Danach wurde das Gebäude zu einem Feuerwehrhaus mit einer Waschanstalt umgebaut. Durch einen Vergleich mit dem Jewish Restitution Successor Organisation kam das Gebäude 1951 offiziell in Kommunalbesitz. Nach dem Bau einer neue Feuerwehrwache wurde es 1979 an einen Privatmann verkauft, der es abreißen und einen Neubau errichten ließ.
(Patrick Charell)
Bilder
Literatur
- Barbara Eberhardt / Hans-Christof Haas: Adelsdorf. In: Wolfgang Kraus, Berndt Hamm, Meier Schwarz (Hg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. 2: Mittelfranken. Erarbeitet von Barbara Eberhardt, Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Angela Hager unter Mitarbeit von Frank Purrmann und Axel Töllner mit einem Beitrag von Katrin Keßler. Lindenberg im Allgäu 2010, S. 29-38.
- Theodor Harburger: Die Inventarisation jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern, hg. von den Central Archives for the History of the Jewish People, Jerusalem, und dem Jüdischen Museum Franken – Fürth & Schnaittach, Bd. 2. Fürth 1998, S. 1.
