Jüdisches Leben
in Bayern

Adelsberg Synagoge

Über eine ältere Synagoge ist nur im Zusammenhang mit dem Neubau des jüdischen Gotteshauses, der um 1775 im Schloss erfolgte, die Rede. Der kleine Gebets- und Unterrichtsraum, der sich vermutlich außerhalb des Gutshofs in einem Privathaus befunden hatte, war damals zu klein und baufällig geworden. Deshalb entstand anstelle des abgerissenen mittelalterlichen Amtshofes an der Südwestecke des Schlosshofes mit Genehmigung der fürstbischöflichen Behörden eine neue Synagoge. Die Kosten für den Rohbau übernahm der Freiherr von Drachsdorf ; die restlichen Ausgaben für die Einrichtung etc. wurden durch Spenden bestritten. Das neue Bet- und Schulhaus war durch ein Wirtschaftsgebäude mit dem jüdischen Wohnkomplex verbunden. Im Erdgeschoss befanden sich drei Wohneinheiten mit Küche, Kammer und Stube und einem Zugang zum Back- und Waschhaus. Im Obergeschoss waren der Bet- und Schulraum sowie zwei größere Wohnungen untergebracht. Für die Nutzung des Gebäudes musste die jüdische Gemeinde an den Gutsherrn ebenfalls Miete bezahlen. 

Laut einem Bericht aus dem Jahr 1833 fand der jüdische Gottesdienst damals immer noch in der auf dem Schlossareal befindlichen Synagoge statt. Ein Brandschaden hatte 1835 eine grundlegende Renovierung des Gotteshauses zur Folge. Seit 1842 gab es Planungen für den Neubau einer Synagoge. Der neue Schlossbesitzer Johann Werner erhöhte 1847 die Miete für die Synagoge auf dem Schlossareal drastisch und untersagte wenige Monate später der Kultusgemeinde aufgrund nicht geleisteter Zahlungen die weitere Nutzung des Gebäudes. Daraufhin nutzte die jüdische Gemeinde offensichtlich einen Raum in der Religionsschule für das gemeinsame Gebet. 1855 erhielt die Judenschaft die Genehmigung des Landgerichts Gemünden zur Durchführung einer Kollekte zum Umbau dieses Haus zur Synagoge. Da sich das Gebäude letztlich als unbrauchbar für diese Zwecke herausstellte, wurde ein anderes Grundstück erworben (Haus Nr. 36 a; heute: Adolphsbühlstr. 76) und darauf ein kleines Gotteshaus errichtet. Historische Aufnahmen dieses Baus haben sich nicht erhalten.

Ab Anfang der 1930er Jahre wurde es für die Kultusgemeinde Adelsberg immer schwieriger, den Minjan zu erfüllen, um das gemeinsame Gebet abhalten zu können. 1937 zählte die jüdische Gemeinde nur noch 16 Personen und feierte daher zusammen mit der Heßdörfer Gemeinde Schabbat. Zur Zusammenkunft nutzen sie die Synagogen der beiden Orte im wöchentlichen Wechsel.

Während des Novemberpogroms 1938 plünderten und zerschlugen SA-Mitglieder aus Gemünden die Inneneinrichtung der Synagoge. Die Trümmer wurden anschließend verbrannt. Die Ritualien hat man zuvor in Sicherheit gebracht. Ihr Verbleib ist jedoch unbekannt. Bürgermeister Johann Michler verhinderte die völlige Zerstörung des Gebäudes, weil die Gemeinde plante, darin ein Kinderheim einzurichten. Dieses Vorhaben wurde jedoch nicht realisiert. Ab 1939 nutzten einzelne Bürger die ehemalige Synagoge als Lager. Ein Granattreffer beschädigte das Haus im Jahr 1945 schwer. Der Grundstücksnachbar erwarb die Ruine 1950 und ließ sie abreißen.

 

(Christine Riedl-Valder)

Bilder

Literatur

  • Mehr als Steine. Synagogen in Unterfranken. Eine Ausstellung des Staatsarchivs Würzburg in Kooperation mit dem Team des Synagogen-Gedenkbands Bayern und dem Beauftragten der Bayerischen Staatsregierung für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus, für Erinnerungsarbeit und geschichtliches Erbe. Konzeption und Bearbeitung: Cornelia Berger-Dittscheid, Würzburg 9.11.2021-28.1.2022 (Staatliche Archive Bayerns - Kleine Ausstellungen 68), München 2021, S. 36-38
  • Schlumberger, Hans / Berger-Dittscheid, Cornelia: Adelsberg, in: Wolfgang Kraus, Gury Schneider-Ludorff, Hans-Christoph Dittscheid, Meier Schwarz (Hrsg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Band III/1: Unterfranken, Teilband 1. Erarbeitet von Axel Töllner, Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Hans Schlumberger unter Mitarbeit von Gerhard Gronauer, Jonas Leipziger und Liesa Weber, mit einem Beitrag von Roland Flade, Lindenberg im Allgäu 2015, S. 123-134