Jüdisches Leben
in Bayern

Zeil a. Main Gemeinde

Es wird vermutet, dass es in Zeil eine Tradition einer jüdischen Gemeinde seit dem Mittelalter gab. Die Bezeichnungen "Judengasse" und "Judenhof" (Speiersgasse 10) sollen darauf hinweisen. Fassbar wird die Gemeinde aber erst mit den vom Landgericht Zeil am 19. Juni 1817 erstellten Judenmatrikel. Hier werden acht Matrikelinhaber aufgeführt, die alle als Erwerbszweig den Viehhandel angeben. Der älteste war der damals 74jährige Isaac David Blumm, der seit 1769 einen Schutzbrief besaß. Aufgrund der Matrikelliste dürfte die jüdische Gemeinde zu dieser Zeit etwa 40 Personen gezählt haben.

In den Beschreibungen des 19. Jahrhunderts finden sich in der Beschreibung des Königreichs Bayern nach den neuesten Bestimmungen (1833) die Angabe von 208 Häuser, 1180 Einwohner, "unter welchen mehrere Juden sind". Das Königreich Bayern topographisch-statistisch in lexicographischer und tabellarischer Form dargestellt (1840) listet mit 213 Häuser, 1310 Einwohner, davon 50 Juden, ähnliche Zahlen auf. Die Statistik sämmtlicher Rentämter der dießrheinischen Kreise des Königreichs Bayern von 1870 nennt für die politische Gemeinde 394 Familien, 1387 Einwohner, darunter 24 Protestanten und 66 Israeliten und eine Synagoge. Zu dem Gotteshaus gehörten wahrscheinlich auch Schulräumen und ein rituelles Bad, der Lehrer (Melamed) war auch als Vorbeter (Chasan) und Schächter (Schochet) tätig.

Die Statistischen Jahrbücher des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes bzw. die Handbücher der jüdischen Gemeindeverwaltung lassen die Entwicklung der Gemeinde gut nachvollziehen. Während 1889 nur das Ort Zeil genannt wird, listet das Jahrbuch 1892 acht Familien und den Vorsteher Goldmann auf. Religionsunterricht erteilte Lehrer Hammelburger in Haßfurt für fünf Kinder. Im Jahrbuch von 1898 werden bei gleichen Angaben nur noch zwei Kinder für den Religionsunterricht genannt. Entweder ein Irrtum oder nur eine kurzfristige Episode sind die Angaben zu 1905, als Zeil mit 21 jüdischen Einwohnern als Filialgemeinde von Wonfurt zählte.1911 hingegen ist Zeil wieder eine Israelitische Kultusgemeinde mit 10 Mitgliedern, zwei Steuerzahler, Vorsteher ist U. Silbermann, Lehrer Hammelburger ist Kantor, Lehrer und Schächter), die Religionsschule besuchte noch ein Kind; der Gemeindeetat betrug 250 Mark. 1913 ist Zeil eine Israelitische Kultusgemeinde mit nur noch acht Mitgliedern. Die Auflösung und die Angliederung an die IKG Haßfurt dürfte in den folgenden Jahren erfolgt sein.

Bilder

Bevölkerung 1910

Literatur

  • Dirk Rosenstock (Bearb.): Die Unterfränkischen Judenmatrikeln von 1817. Eine namenkundliche und sozialgeschichtliche Quelle. Würzburg 2008 (= Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg 19), S. 279.