Jüdisches Leben
in Bayern

Traustadt Gemeinde

Eine jüdische Gemeinde in Traustadt (Gemeinde Donnersdorf) wird erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts fassbar. Die 1817 erfasste Zahl von 15 Familien deutet darauf hin, dass bereits im 18. Jahrhundert eine jüdische Gemeinde in Traustadt bestanden hat. Die Schutzherrschaft wurde von den Grafen von Rieneck ausgeübt. Bei der Matrikelerstellung 1817 unterstanden die Gemeindemitglieder dem Patrimonialgericht der Grafen Voit von Rieneck. Die Familien waren hauptsächlich im Viehhandel und im Kleinhandel tätig. Als Familienname war "Hirsch" bei sechs Familien vertreten. Im Matrikelverzeichnis war auch Maier Bachmann mit seiner Tätigkeit "Schmusen und Schlachten" aufgeführt. Er geriet in den folgenden Jahren offensichtlich in massive wirtschaftliche Schwierigkeiten. Im August 1823 eröffnete der Landgericht Gerolzhofen ein Konkursverfahren gegen Bachmann wie dem Intelligenz-Blatt für den Unter-Mainkreis zu entnehmen war. Wegen der zu erwartenden "sehr geringfügigen Masse" wurde allerdings nur ein Tag für den Einbringung von Forderungen und zur Abwicklung des Verfahrens angesetzt. Bei der Matrikelerstellung war ursprünglich auch ein Lehrer aufgeführt, der allerdings wieder von der Liste gestrichen wurde. Zu dieser Zeit bestand also en geregeltes Schulwesen in Traustadt. Wahrscheinlich aufgrund der rückläufigen Schülerzahlen kamen ab der Mitte des 19. Jahrhunderts die Lehrer entweder aus Gerolzhofen oder die Schüler wurden dort unterrichtet. Die Verstorbenen der Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in Gerolzhofen bestattet. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts lebten nur noch wenige Familien (1903 drei Haushalte) in Traustadt. Ein Gemeindeleben dürfte damit zum Erliegen gekommen sein. Unter den letzten jüdischen Einwohnern waren die Schwestern (?) Sophie und Amalie (Babette) Hirsch, die seit etwa 1930 im Würzburger Heim in der Dürerstraße 20 lebten. Sophie Hirsch (geb. 4. November 1856 in Traustadt) ist am 8. August 1931 in Würzburg gestorben. Amalie (Babette) Hirsch wurde am 23. September 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert, wo sie am 8. Dezember 1942 umgekommen ist.

Bevölkerung 1875

Literatur

  • Dirk Rosenstock: Die unterfränkischen Judenmatrikeln von 1817. Eine namenkundliche und sozialgeschichtliche Quelle. Würzburg 2008 (= Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg Band 13), S. 134.
  • K. statistisches Bureau: Ergebnisse der Volkszählung im Königreiche Bayern am 1. Dezember 1875 [...]. München 1877 (= Hefte zur Statistik des Königreichs Bayern 36), S. 190.