Jüdisches Leben
in Bayern

Monheim Gemeinde

Es gibt nur sehr spärliche spätmittelalterliche Spuren 1434 und 1441/42 von jüdischen Familien in Monheim. Eine kontinuierliche Ansiedlung ist erst wieder in den 1620er Jahren nachzuweisen. Die Stadtratsprotokolle erwähnen vor diesem Datum nichts. Erst 1623 werden die ersten jüdischen Namen genannt, die sowohl landesherrliches Schutzgeld als auch ein städtisches Beisitzgeld zu entrichten hatten.

In den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts entsprach der Radius der Handelstätigkeit der Monheimer Juden einem engeren Bereich mit bis zu sieben Kilometern und einem weiteren Bereich um 15 Kilometer ausgehend vom Ortskern. Der Handel umfasste Waren, Vieh, Geld und Grundbesitz. Dominant war der Viehhandel, aber auch der Salzhandel durch die Lage Monheims an einer Salzstraße spielte eine Rolle. Erkauft wurde das Leben in Monheim mit einer Zahlung von 45 Gulden ja Familie an die fürstliche Finanzkammer. Diese regelmäßigen Zahlungen bedeuteten ein kontinuierliche Einnahmequelle für die Fürsten. So fielen 1741 über 17.000 Gulden an, wovon die Monheimer Juden über 3.000 Gulden zahlten.

Die Zahl der Familien nahm bis 1720 auf zwölf zu. 1726 lebten sechzehn jüdische Familien in Monheim.

Abraham Elias Model, der als Hoffaktor für die Grafen Oettingen, die Markgrafschaft Ansbach und das Fürstentum Pfalz-Neuburg, hatte in Monheim ein repräsentatives Haus erbaut, das er bis 1724 mit Szenen aus dem Alten Testament ausschmücken ließ. Bei der drohenden Ausweisung 1741 wollte Model seinen Hausbesitz im Wert von 3.500 Gulden an seinen Sohn, einem Mainzer Schutzjuden, übertragen. Der Rat weigerte sich, da die Stadt der jüdischen Gemeinde einen kollektiven Hausverkauf anbieten wollte, ein für die Stadt angesichts der Lage der jüdischen Einwohner ein wesentlich einträglicheres Geschäft. Das Model-Haus wurde dann auch 1747 das städtische Rathaus.

Am 31. Juli 1741 endete das Schutzverhältnis der jüdischen Familien in Monheim. Zwanzig Familien, "welche über 330 Seelen an Eltern, Kindern, Dienstbothen beyderley geschlechts, auch Juden Schuelmaistern und Kindsfrauen" mussten die Stadt verlassen. Dabei wurden sie von den christlichen Einwohnern "belästigt", wie sich das Ratsprotokoll ausdrückte. Es ist durchaus eine pogromartige Stimmung anzunehmen, denn die Stadt feierte mit einem zweitägigen Fest die "Ausschaffung" der Juden. Georg Claudius Kirchbauer, Pfarrer und Bruder des Neuburger Landschaftskanzlers, hielt in der Stadtpfarrkirche eine feierliche Predigt in bösartiger antijüdischer Polemik, die noch im selben Jahr gedruckt wurde. Daraufhin erfolgte mit Fahnen, Musikanten, Trommeln und Salutschüssen ein Marsch der Bürger durch die Stadt, für die Honoratioren gab es ein Festessen und die Stadt ließ für die Bürger Freibier ausschenken. Als Begründung für die Vertreibung wurden ganz unverhohlen wirtschaftliche Gründe angeführt, der jüdische Hausbesitz erhielt leitmotivischen Charakter (M. Müller).

Bilder

Literatur

  • Müller, Monika: Judenschutz vor Ort. Jüdische Gemeinden im Fürstentum Pfalz-Neuburg (Quellen und Darstellungen zur jüdischen Geschichte Schwabens Bd. 5), Augsburg 2016
  • Haus der Bayerischen Geschichte (Hg.): Exkursionsblätter zur Geschichte und Kultur der Juden in Bayern. Zur Geschichte der Juden in Nordschwaben. 1. Route I, Monheim - Harburg, München 1989
  • Friedmann, A.: Die Geschichte der Juden in Monheim. Mainz 1902