Bereits in den Lehensurkunden der Herren von Schaumberg, also bis zum Ende des 14. Jahrhunderts, ist zwar von der Anwesenheit von Juden die Rede, ohne dass es allerdings weitere Hinweise gibt. Unter den adeligen Herren von Würtzburg (sic) gibt es 1588 sichere Hinweise auf jüdische Familien in Mitwitz. Ihre Zahl war allerdings sehr gering und betrug bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts nur etwa vier Familien. In den folgenden Jahrzehnten stieg die Zahl an, da es 1789 zum Bau einer Synagoge kam. Dies wiederum setzte stabile wirtschaftliche Verhältnisse in der Gemeinde voraus. In den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts zählte die jüdische Gemeinde 119 Personen auf 21 Matrikelstellen, etwa 20 Prozent der Ortsbevölkerung.
1829 wurde auch eine Elementar- und Religionsschule für die jüdischen Kinder eingerichtet. 1834 besuchten 30 Kinder die Schule. Der von der Gemeinde besoldete Lehrer war gleichzeitig der Vorsänger in der Synagoge, das sich die Gemeinde keinen eigenen Rabbiner leisten konnte. Noch im 18. Jahrhundert waren die Haupterwerbszweige der Handel, Viehhandel und Geldgeschäfte. Die Grenzlage von Mitwitz und ein Niederlassungsverbot in Sachsen und Thüringen begünstigten dies. Der Mitwitzer Seligmann Alexander war als Hofjude in Meiningen auch als Kreditgeber und Anleihevermittler in Sachsen und Bayreuth-Brandenburg tätig. Joseph Freund war Heereslieferant für die napoleonische Armee. Dieses Handelsschwergewicht änderte sich durch die Matrikelgesetzgebung, da die Behörden jetzt auf Tätigkeiten in der Landwirtschaft und im Handwerk Wert legten.
In den Jahrzehnten nach 1840 kam es durch Auswanderung und Wegzug zu einem dramatischen Rückgang der Zahl der Gemeindemitglieder. Bis 1872 gab es noch vier schulpflichtige jüdische Kinder. Zwischen 1875 und 1877 waren bis eine eine Familie alle andern Familien aus Mitwitz weggezogen. Die faktische Auflösung der Gemeinde 1877 wurde 1883 von der Regierung von Oberfranken durch die Zuweisung der letzten am Ort verbliebenen Familie nach Kronach vollzogen.
In Mitwitz ist ein ehemaliges jüdisches Ritualbad im Anwesen "Am Grünen Tal 10", dem sogenannten "Zapfenhaus" erhalten. Das Gebäude ist im Bayerischen Denkmal-Atlas aufgenommen. Hier ist ein Virtueller Rundgang möglich. Es befindet sich noch weitgehend in seinem ursprünglichen Zustand. Das Untergeschoss besteht aus verputzten Sandstein, Fenster und Tür sind mit kanneliertem Sandstein eingefasst. Erbaut wurde das Haus 1730 von Sebastian Grempel, bevor es 1767 der aus Friesen stammende jüdische Viehhändler Meyer Salomon erwarb. Vermutlich richtete dieser auch die bis heute erhaltene Mikwe im Keller ein. Diese Tauch diente wohl zunächst dem privaten Gebrauch. Ab 1823 nutzte die gesamte Mitwitzer Judenschaft das Tauchbad des Hauses, das mittlerweile Samuel Friedmann besaß. Zur Mikwe gelangt man durch einen Vorraum, indem sich die Frauen aus- und anzogen. Die Höhe des Kellers beträgt ebenso wie die Breite 1,80 Meter, die Länge 5,30 Meter. In der Nordwestecke befindet sich das Tauchbecken mit einer Tiefe von 1,40 Meter. Die Breite beträgt 9,95 Meter und die Länge 2,25 Meter. Insgesamt sieben Steinstufen führen in das Becken, das bis heute noch mit klarstem Wasser gefüllt ist. Über dem Tauchbecken befindet sich eine kleine Wandnische, in der Platz für eine Lampe war.
Durch den Ritualbaderlass der Bayerischen Regierung, der unbeheizte Kellertauchen verbot, wurde 1828/29 in Mitwitz der Neubau einer Mikwe nötig. Deshalb entstand in einiger Entfernung zum Haus auf einem Grundstück, das die jüdische Gemeinde gekauft hatte, ein kleiner, quadratischer Bau, in dem eine neue Mikwe eingerichtet wurde. Diese Mikwe blieb etwa 40 Jahre in Gebrauch und wurde 1872, nachdem ein Großteil der Juden weggezogen war, abgerissen.
In einer Kooperation mit den Central Archives for the History of the Jewish People (CAHJP) in Jerusalem werden von der Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns nach und nach die erhaltenen jüdischen Gemeindearchive – darunter das Gemeindearchiv aus Mitwitz – digitalisiert, um sie erstmals und vollständig online zugänglich zu machen.
Bilder
Bevölkerung 1875
Literatur
- Gesellschaft für Familienforschung in Franken / Staatliche Archive Bayerns (Hg.): Staatsarchiv Bamberg - Die 'Judenmatrikel' 1824-1861 für Oberfranken. Nürnberg 2017. Ggfs. digital (Reihe A: Digitalisierte Quellen 2 = Staatliche Archive Bayerns, Digitale Medien 4).
- Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation. 2. Aufl. München 1992 (= Bayerische Landeszentrale für politische Bildung A85), S. 230.
- Klaus Guth: Jüdische Landgemeinden in Oberfranken (1800–1942), ein historisch-topographisches Handbuch. Bamberg 1988 (= Landjudentum in Oberfranken. Geschichte und Volkskultur 1), S. 244-251.
- K. statistisches Bureau: Ergebnisse der Volkszählung im Königreiche Bayern am 1. Dezember 1875 [...]. München 1877 (= Hefte zur Statistik des Königreichs Bayern 36), S. 139.
