Jüdisches Leben
in Bayern

Karlburg Gemeinde

1560 ließ der Würzburger Bischof Friedrich von Wirsberg (Amtszeit 1558‒1573) alle Juden aus seinem unmittelbaren Herrschaftsbereich ausweisen. Auch sein Nachfolger Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn (Amtszeit 1573‒1617) verbot 1575 den Israeliten die Niederlassung auf dem Gebiet des Würzburger Hochstifts. Die Vertriebenen fanden in den nahegelegenen reichsritterschaftlichen Dörfern Aufnahme und mussten dafür Schutzgelder an die dortigen Grundherren bezahlen. Nach dem Erwerb von Zollzeichen durften die jüdischen Händler dann tagsüber in den Städten, z.B. in dem benachbarten Karlstadt, ihren Geschäften nachgehen. 

In Karlburg wurde nachweislich erstmals 1631 ein jüdischer Viehhändler sesshaft. Zwanzig Jahre später folgte die Familie eines weiteren israelitischen Viehhändlers; 1652 ließ sich ein jüdischer Warenhändler hier nieder. Sie alle standen vermutlich unter dem Schutz des Würzburger Juliusspitals. Das Spital hatte, einem Bericht vom Ende des 17. Jh. zufolge, schon 1598 von Albrecht von Steinau in Karlburg ein Hofgut erworben, in dem jüdische Familien wohnten. Um 1700 gab es etwa sieben jüdische Haushalte im Ort. Die jüdischen Einwohner besuchten zusammen mit den Mühlbacher Israeliten die Synagoge von Laudenbach, die eine knappe Wegstunde entfernt lag, und sie bestatteten auch ihre Toten auf dem dortigen jüdischen Friedhof.

Im 18. Jh. richtete das Würzburger Juliusspital ein weiteres Anwesen mit Wohnungen für jüdische Familien ein. Leider gibt es aus dieser Zeit keine Nachrichten über die Anzahl jüdischer Mitbürger in Karlburg. Anfang der 1790er Jahren waren jedoch alle Israeliten aus dem Ort weggezogen und das Spital ließ 1794 ein „altes Judenhaus“ zu einem Viehstall umbauen.


(Christine Riedl-Valder)

Literatur

  • Schlumberger, Hans / Berger-Dittscheid, Cornelia: Karlstadt mit Karlburg, in: Wolfgang Kraus, Gury Schneider-Ludorff, Hans-Christoph Dittscheid, Meier Schwarz (Hrsg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Band III/1: Unterfranken, Teilband 1. Erarbeitet von Axel Töllner, Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Hans Schlumberger unter Mitarbeit von Gerhard Gronauer, Jonas Leipziger und Liesa Weber, mit einem Beitrag von Roland Flade, Lindenberg im Allgäu 2015, S. 225-233