Jüdisches Leben
in Bayern

Iphofen Gemeinde

Eine jüdische Gemeinde in Iphofen wird gegen Ende des 13. Jahrhunderts fassbar. Sie hatte bis zur endgültigen Vertreibung im 17. Jahrhundert unter mehreren Verfolgungswellen, wie dem Rintfleisch-Pogrom 1298 und der Pestverfolgung 1349, sehr zu leiden.



Bei der Erhebung Iphofens zur Stadt 1293 ernannte Bischof Mangold von Würzburg den Juden Michelmann zum "procurator et dispensator", der so die Aufsicht über den Bau der Stadt hatte. Er wurde gleichzeitig von Steuern und Abgaben befreit, erhielt ein Niederlassungsrecht in Iphofen und die Garantie des freien Geleits bei einem Wegzug. Wahrscheinlich stieg in der Folge die Zahl der Familien in Iphofen an. 1298 wurden nämlich beim Rintfleischpogrom 25 Personen aus zehn Familien ermordet. Eventuell war Mordechai b. Ascher, einer der Ermordeten, identisch mit Michelmann.

In der Folgezeit lebten immer wieder jüdische Familien in Iphofen. Diese hatten sich zu dieser Zeit wohl an die Würzburger Gemeine angeschlossen. Auch die Armleder-Verfolgung im Juli und August 1336 forderten Opfer unter der Gemeinde in Iphofen. Auch durch die antijüdischen Verfolgungen im Verlaufe der Pestpogrome waren im Juli 1349 in iphofen Ermordete zu beklagen.

Erst 1386 lebet wieder ein Jude in Iphofen, der an den Kreditgeschäften des Würzburger Bischofs beteiligt war. Im 15. Jahrhundert ist von einer kleinen jüdischen Gemeinde auszugehen. Die Familienoberhäupter waren dem Würzburger Bischof steuerpflichtig. Die Gemeindemitglieder lebten in der "Judengasse", eventuell mit der heutigen Oberen Gasse identisch. Auch in der Pfarrgasse gab es jüdische Wohnhäuser.

1565 erfolgte eine neuerliche Vertreibung aus dem Gebiet des Bistums Würzburg. Aber bereits 1623 sind für Iphofen fünf "Schutzjuden" mit ihren Familien zu finden. Trotzdem kam es zu keiner stabilen Entwicklung, da 1683 die jüdischen Familien wieder ausgewiesen wurden. Die Anordnung des Würzburger Domkapitels begründet die Ausweisung, die Juden hätten sich "eingenistet", sie bewohnten die besten Häuser und hätten das Gewerbe an sich gezogen. Eine Bittschrift der Iphofer Bürgerschaft um Aufhebung der Anordnung blieb erfolglos.

Zur Rechtfertigung der grausamen Mordaktionen der Rintfleich-Verfolgung entstand in Iphofen sehr bald eine Legende über einen angeblichen Hostienfrevel. Im Hause eines Juden, der vor den Horden Rintfleischs geflohen war, "entdeckte" man drei Hostien. Die führte zum Bau der Kirche zum hl. Blut und zur Entstehung einer profitablen Wallfahrt. Noch im 19. Jahrhundert wurden Blechschilder mit den Szenen der angeblichen Hostienschändung angebracht. Im 20. Jahrhundert nahm die Wallfahrt stark ab.

Literatur

  • Schwierz, Israel: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern, 2. Aufl. München 1992, S. 77
  • Germania Judaica. Bd. II: Von 1238 bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts, Teilband 1, Tübingen 1968, S. 377 f.
  • Maimon, Ayre, Germania Judaica. Bd. III: 1350-1519, Teilband 1, Tübingen 1987, S. 584 f.
  • Schwillus, Harald: Hostienfrevellegende und Judenverfolgung in Iphofen. Ein Beitrag zur Entstehungsgeschichte der Kirche zum hl. Blut im Gräbenviertel. In: Würzburger Diözesangeschichtsblätter Bd. 58 (1996), S. 109-140.
  • Endres, Josef: Hl. Blut in Iphofen. Mit einer Edition des Mirakelbuchs (Veröffentlichungen der Gesellschaft für fränkische Geschichte. Reihe XIII Bd. 49), Stegaurach 2007

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