Jüdisches Leben
in Bayern

Fuchsstadt Gemeinde

Die jüdische Gemeinde Fuchsstadt (heute ein Ortsteil der Marktgemeinde Reichenberg, Landkreis Würzburg) hat schon im 18. Jahrhundert bestanden. Indiz dafür ist die mehr als 30 Familien umfassende Matrikelaufstellung von 1817. Die Ortsherrschaft hatten die Grafen von Wolfskeel im ritterschaftlichen Kanton Odenwakd inne.

Die ersten gesicherten Informationen bietet die Matrikelliste, die im Juni 1817 von den Behörden erstellt wurde. Hier finden sich 32 Namen von Familienoberhäuptern und weitere fünf Familien, die keine Matrikelstelle hatten. Mit Wolf Hirsch Lehmann wurde auch an erster Stelle der Liste der "Judenvorgänger" genannt. Aus diesen Zahlen ist eine Größe der jüdischen Gemeinde mit über 100 Mitgliedern wahrscheinlich.

Die Gemeinde setzte ihre Verstorbenen auf dem jüdischen Friedhof in Allersheim bei. Es gab eine Synagoge, eine Religionsschule und ein rituelles Bad. Die Gemeinde beschäftigte einen Religionslehrer, der auch Vorbeter und Schächter war. 1846 wurde in der Zeitschrift "Der treue Zionswächter" besonders die Qualität des Religionsunterrichts in Fuchsstadt gerühmt. Unter der Aufsicht des Würzburger Rabbiners Seligmann Bär Bamberger sei das Talmudstudium zu loben und Lehrer und Schüler könnten sich des Beifalls der Inspektoren der deutschen Schulen sicher sein. Der letzte war Jakob Löb Schloß, dessen Verfahren bereits in der Matrikelliste erscheinen.

1830 besuchte Joseph Lehmann mit weiteren vier jüdischen Jugendlichen die Abschlussklasse des Gymnasiums in Würzburg. Er war wahrscheinlich ein Sohn von Wolf Hirsch Lehmann, dem Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Fuchsstadt.

1831 beschrieb das Topo-geographisch-statistisches Lexicon vom Königreiche Bayern die Gemeinde Fuchsstadt als "Kirchdorf mit 58 Häusern, 368 Einwohnern und vielen Juden". 1843 kam es zu einer Anklage gegen Marx und Elias Adler wegen "Winkel-Pfandnahme und Kreditwucher". Ein Einspruch der beiden wurden vom Staatsrat in München an das Innenministerium weiterverwiesen, wie das Regierungsblatt für das Königreich Bayern berichtete. Marx Löb Adler hatte seit 1817 eine Matrikelstelle inne.1853 bestätigte die bayerische Regierung den Lehramtskandidaten Phineas Seligsberger als neuen Religionslehrer und Vorsänger der jüdischen Gemeinde von Burgsinn (Landkreis Main-Spessart). Er war verwandt mit Lekisch Hirsch Seligsberger, der 1810 als "unmittelbarer Schutzjude" galt und 1817 eine Matrikelstelle besaß.

Bei der Volkszählung von 1875 gaben noch 68 der 424 Einwohner die israelitische Konfession an. Die Auflösung der Gemeinde dürfte um 1890 erfolgt sein. Noch 1889 wird Fuchsstadt im Statistischen Jahrbuch des Deutsch-Israelitischen Gemeindebunds als eigenständige Gemeinde genannt und als Lehrer wird Jakob Löb Schloß angegeben. Der Eintrag zu 1892 nennt Fuchsstadt als eigenständige Gemeinde mit dem Vorsteher B. Bergenthal. Ab 1893 fehlt dann ein Eintrag

Von den in Fuchsstadt geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen: Getta Hirnheimer geb. Fuchs (1861, später wohnhaft in Würzburg, umgekommen 1942 in Theresienstadt), Max Kellermann (1874, später wohnhaft in Bamberg, 1941 nach Riga-Jungfernhof deportiert), Karoline Rothschild geb. Kellermann (1867, später wohnhaft in Würzburg, 1942 in Theresienstadt umgekommen), Sofie Schlesinger geb. Fuchs (geb. 1868 in Fuchsstadt, lebte nach der Heirat mit Rudolf Schlesinger in Bonfeld, kam im November 1936 in das jüdische Altersheim nach Würzburg, wo auch ihre Schwester Lina Fuchs, geb. 1867 in Fuchsstadt lebte; am 23. September 1942 nach Theresienstadt deportiert, umgekommen ebd. 12. Februar 1944; die Schwester Lina soll nach England emigriert sein.

Literatur

  • Schwierz, Israel: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern, 2. Aufl. München 1992.
  • Rosenstock, Dirk: Die unterfränkischen Judenmatrikeln von 1817. Eine namenkundliche und sozialgeschichtliche Quelle (Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg Band 13), Würzburg 2008, S. 226 f., 260