Jüdisches Leben
in Bayern

Friesen Gemeinde

Vor 1667 erfolgte unten dem Reichsritter Hans Conrad von Gailsdorf die erste Ansiedelung von jüdischen Familien in Friesen. Diese waren dafür zur Zahlung von Schutzgeld verpflichtet. Als 1731 der Besitz der Gailsdorf an das Hochstift Bamberg fiel, lebten wahrscheinlich schon mehr als 18 Familien unter sehr beengten Verhältnissen in sieben Häusern. Die angeblich zu große Zahl der jüdischen Familien und die schlechte Wohnsituation waren fortwährende Streitpunkte der christlichen Gemeinde mit den ansässigen Juden. So versuchte die Gemeinde immer wieder, den Ankauf von Hausbesitz zu unterbinden.


1764 bestand die jüdische Gemeinde aus 23 Familien mit 111 Personen, die in elf Häusern wohnten. Die Gemeinde war zu dieser Zeit bereits so stabil, dass sie eine eigene Synagoge besaß und auch eine Schule unterhielt, da in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts bereits ein Lehrer genannt wird.

Ihren Lebensunterhalt verdienten die Gemeindemitglieder in der Regel durch Handel Zur Zeit der ritterschaftlichen Herrschaft war noch das Metzgerhandwerk erlaubt, das allerdings 1740 auf Verlangen der benachbarten Kronacher Metzger aufgegeben werden musste. Nur das Schächten für den Bedarf der Gemeinde war erlaubt. Aufgrund der bischöflichen Dekrete war der Handel mit Vieh, Tuchen, Hopfen und Obst und vor allem mit den Gütern, mit den die Christen nicht handelten. Handeln und Hausieren war an Sonn- und Feiertagen ab 11 Uhr erlaubt. Vom Holz- und Getreidehandel waren sie jedoch seit der Mitte des 18. Jahrhunderts ausgeschlossen. Die Matrikelbeschreibung von 1823 nennt als ausgeübte Tätigkeiten den Schnittwarenhandel, den Viehhandel und das Hausieren. Um 1840 stellten die 92 Mitglieder der jüdischen Bevölkerung etwa 13 Prozent der Einwohner von Friesen.

Die Religionsschule war im 18. Jahrhundert wahrscheinlich in den selben Räumlichkeiten wie die Synagoge untergebracht. Im 19. Jahrhunderts besaß die Schule spätestens 1856 ein eigenes Haus (heute: Moschaweg 6).

Die Gemeinde besaß auch in der Nähe des Synagogengebäudes eine eigene Mikwe (heute: Am Plan 21), die nach 1829 erbaut wurde. Nach einer späteren Beschreibung war das ziegelgedeckte Gebäude aus Sandsteinquadern errichtet. Im Inneren habe sich ein Waschkessel und ein Pumpbrunnen befunden. Das Gebäude wurde nach 1902 abgebrochen. Einen 3D-Rundgang durch das Kellergeschoß der Mikwe in Friesen finden Sie hier.

Nach der Aufhebung der Matrikelgesetzgebung 1861 sank die Zahl der jüdischen Einwohner in Friesen durch Umzug und Auswanderung dramatisch ab. Am 21. Oktober 1902 wurde die Gemeinde aufgelöst. Der letzte jüdische Einwohner, Moritz Sulzbacher, wurde 1910 in Küps begraben.

Von den in Friesen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen: Theodor Bamberger (1870, "Stolperstein" in Kronach), Emma Hellmann geb. Strauss (1872), Josef Lamm (1886), Ludwig Lamm (1888, "Stolperstein" in Kronach), Selma Tannenbaum geb. Lamm (1884, "Stolperstein" in Kronach).

Literatur

  • Johann Böhnlein / Maria Kramarz: 650 Jahre Friesen - Die Geschichte einer Frankenwaldgemeinde. Kronach 1978.
  • Guth, Klaus: Jüdische Landgemeinden in Oberfranken (1800–1942), ein historischtopographisches Handbuch, Bamberg 1988 (Landjudentum in Oberfranken. Geschichte und Volkskultur, 1)., S. 164-172.
  • Schwierz, Israel: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern, 2. Aufl. München 1992, 220.
  • Gesellschaft für Familienforschung in Franken / Staatliche Archive Bayerns (Hg.): Staatsarchiv Bamberg - Die 'Judenmatrikel' 1824-1861 für Oberfranken (gff digital, Reihe A: Digitalisierte Quellen, 2 = Staatliche Archive Bayerns, Digitale Medien, 4), Nürnberg 2017