Jüdisches Leben
in Bayern

Föhrenwald/Waldram Gemeinde

Die Siedlung Föhrenwald war zunächst ein Wohnsiedlung mit Einfamilienhäusern und Reihenhäusern für die Rüstungsfabriken im Wolfratshausener Forst. Im Verlauf des Krieges wurden neben den deutschen Arbeitern immer mehr ausländische Arbeiter angeworben oder als Zwangsarbeiter eingesetzt.

In den letzten Kriegstagen trieben SS-Wachen bei der Räumung des Konzentrationslagers Dachau die Häftlingen auf einem Todesmarsch Richtung Alpen. Die anrückenden amerikanischen Truppen brachten nach der Befreiung die überlebenden Häftlinge kurzzeitig im Lager Föhrenwald unter.

Nach Kriegsende brachte die Amerikanische Militärregierung entwurzelte und verschleppte Überlebende im Lager Föhrenwald unter. Nachdem im Sommer 1945 bereits mehrere Tausend Juden in Föhrenwald lebten, wurde der Ort zum "Jewish Displaced Person Center" erklärt. In Erinnerung an osteuropäische Gemeinden mit vielen jüdischen Einwohner wurde Föhrenwald als Schtetl bezeichnet, in dem Jiddisch gesprochen wurden. Föhrenwald wurde seit 1946 in weitergehender Selbstverwaltung von einem lokalen Rat geleitet. Es war mit bis zu 5600 Bewohnern eines der größten DP-Lager im Amerikanischen Sektor.

Für viele Bewohner war Föhrenwald ein "Wartesaal" vor der Auswanderung nach Israel und Amerika, aber auch "eine jüdische Insel mitten im Land der Täter" (Jim Tobias). So entstand sehr rasch ein Infrastruktur für jüdisches Leben. Synagogen, Ritualbäder, Schulen, Theatergruppen, Sportvereine, koschere Küchen und jiddische Zeitungen sollten den Menschen wieder eine, wenn auch vorübergehende Heimat zu geben. Neben den Auswandern wurde Föhrenwald eine wichtige Anlaufstelle für Rückkehrer, die mit den Bedingungen in ihren neuen Heimatländern nicht zurecht kamen und nach Deutschland zurückkehrten.

1951, als immer 3500 Personen in Föhrenwald lebten, wurde das Lager der deutschen Verwaltung übergeben und zum " Regierungslager für heimatlose Ausländer" erklärt. Die offizielle Auflösung des letzten jüdischen DP-Lagers erfolgte 1956, obwohl immer noch einige Hundert jüdische Einwohner in ihrem Schtetl wohnten. Seit 1955 hatte das katholische Diözesansiedlungswerk das Lager übernommen und nach der Sanierung der Gebäude Familien angesiedelt. Bis 1957 lebten noch etwa 800 jüdische DPs und neu angesiedelte Heimatvertriebene zusammen in Föhrenwald. Die letzten jüdischen Föhrenwalder mussten 1957 das Gelände verlassen, die Stadt München nahm über 500 Personen auf, andere fanden in Frankfurt und Düsseldorf Unterkunft.

1957 wurde der Name der Siedlung in Waldram umbenannt, heute ein Ortsteil von Wolfratshausen.

Im BADEHAUS von Waldram (früher Föhrenwald) ist Geschichte wie im Zeitraffer erlebbar: Ab 1940 errichteten die Nationalsozialisten im Wolfratshauser Forst eine Mustersiedlung für Rüstungsarbeiter. Gegen Kriegsende führte hier der KZ-Todesmarsch vorbei. Dann wurde Föhrenwald zu einem Lager für jüdische Displaced Persons, die den Holocaust überlebt hatten. Ab 1956 wurden meist katholische, kinderreiche Heimatvertriebene angesiedelt und der Ort in Waldram umbenannt. Bis heute finden sich hier Spuren dieser einzigartigen Migrationsgeschichte. Sie wird anschaulich und multimedial in dem neu errichteten Erinnerungsort BADEHAUS erzählt. Eine Bürgerinitiative hat das Gebäude vor dem Abriss gerettet und dort einen Ort der Erinnerung, der Begegnung und des Lernens aufgebaut. 

Bilder

Literatur

  • Krafft, Sybille: Lebensbilder. Porträts aus dem jüdischen DP-Lager Föhrenwald, Wolfratshausen 2020
  • Schroeder, Joachim: Das DP-Lager Föhrenwald 1945-1951. In: Julius H. Schoeps (Hg.): Leben im Land der Täter : Juden im Nachkriegsdeutschland (1945 - 1952). Berlin 2001, S. 47–62,