Jüdisches Leben
in Bayern

Fassoldshof Gemeinde

In Fassoldshof, heute ein Ortteil der Gemeinde Mainleus, ist eine jüdische Gemeinde in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nachzuweisen. In den Matrikelaufzeichnungen um 1820 sind zwölf Stellen vorgesehen.

Um 1820 lebten die Familienoberhäupter vom Handel oder sie betrieben ein Gewerbe als Korbmacher, Weber und Glaser.Die Händler waren in der Mehrzahl Hausierer oder als Schnittwarenhändler auf Märkten und Messen tätig. Einer der Stelleninhaber war der 1779 geboren Herrmann Daniel, der seit 1813 ein Schutzstelle innehatte. Er war mit der 1789 geborenen Teila verheiratet und hatte vier Kinder. Hermann musste 1821 Konkurs anmelden. Das Königlich Bayerisches privilegirtes Intelligenz-Blatt für den Ober-Mainkreis meldete 1821, dass zur Deckung der Schulden des Uhrenhändlers Herrmann Daniel dessen halbe Haushälfte (Fassoldshof Nr. 8) zum Verkauf anstehe. Dieses Anwesen wurde von insgesamt fünf Familien bewohnt. Die anderen jüdischen Familien bewohnten nach Ausweis der Matrikelaufstellung die Anwesen Fassoldshof Nr. 2, 3, 5, 7, 8, 9 und 11

Die Gemeinde Fassoldshof gehörte dem Rabbinat Burgkunstadt an. Auch die Toten der Gemeinde wurden in Burgkunstadt bestattet.

Aufgrund der wenigen jüdischen Familien kam es nie zum Bau einer eigenen Schule. Die Kinder unterrichtete anfangs ein Privatlehrer. Die älteren Kinder erhielten in Mainroth Unterricht.

Das große Conversations-Lexicon für die gebildeten Stände nennt 1847 für Fassoldshof die Zahl von 50 jüdischen Einwohnern. Diese Zahl dürfe aber zu hoch gegriffen sein. Bereits 1852 lebten in Fassoldshof keine zehn religionsmündigen männlichen Juden mehr. Damit wurde die Kultusgemeinde nur noch als Privatgesellschaft gesehen.Es ist zu vermuten, dass seit 1866 kein Gottesdienst mehr abgehalten wurde. Trotzdem konnte unter den Verbliebenen keine Einigung über die Zusammenlegung mit einer anderen jüdischen Gemeinde erzielt werden. Die Vereinigung mit der Gemeinde Burgkunstadt musste 1881 die Regierung anordnen. Als letztes jüdisches Familienoberhaupt verließ der Viehhändler Arnold Schmidt den Ort.

Literatur

  • Gesellschaft für Familienforschung in Franken / Staatliche Archive Bayerns (Hg.): Staatsarchiv Bamberg - Die 'Judenmatrikel' 1824-1861 für Oberfranken (gff digital, Reihe A: Digitalisierte Quellen, 2 = Staatliche Archive Bayerns, Digitale Medien, 4), Nürnberg 2017.
  • Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation. 2. Aufl. München 1992 (= Bayerische Landeszentrale für politische Bildung A85), S. 219.
  • Klaus Guth: Jüdische Landgemeinden in Oberfranken (1800–1942), ein historisch-topographisches Handbuch. Bamberg 1988 (= Landjudentum in Oberfranken. Geschichte und Volkskultur 1), S. 161-163.