Jüdisches Leben
in Bayern

Dittenheim Gemeinde

In Dittenheim bestand bis um 1880 eine jüdische Gemeinde. Über die Zahl der Gemeindemitglieder gibt es keine Angaben. Dittenheim war bis in das 19. Jahrhundert Sitz eines Distriktrabbinates und damit von Bedeutung für die jüdischen Gemeinden in der Umgebung. Ein erster Nachweis jüdischer Einwohner stammt aus dem Jahr 1771. Damals erschien die antijüdische Hetzschrift "Wahrhafte Species Facti über die, von fünf Ansbachischen Juden, mit einem jungen minderjährigen Bauern-Bursch, getriebene verabscheuenswürdigste Betrügereyen und Wucher-Streich", in der auch Juden aus Dittenheim genannt werden. 1773 unterstützte die IKG Dittenheim die Juden in Treuchtlingen bei der Anlage eines jüdischen Verbandfriedhofs.

Da Dittenheim bis 1851 Sitz eines Distriktsrabbinats war, sind einige Namen der dort tätigen Rabbiner überliefert. Zur Finanzierung der Rabbinatstätigkeit gab es einen eigene Stiftung.

Marx Lazarus (hebr. Mordechai b. Elieser Halevi) wurde 1739 geboren und starb am 21. Dezember 1813 in Gunzenhausen. Er war als Rabbiner seit etwa 1796 in Gunzenhausen und den umliegenden Gemeinden Dittenheim, Heidenheim, Berolzheim und Treuchtlingen tätig.

Seit 1805 war Joseph Gugenheimer Rabbiner in Dittenheim, ohne dass darüber näheres bekannt ist. Er starb zwischen 1828 und 1831 in Dittenheim.

Uri Löw Veitel (1784-1851) war seit 1833 Rabbiner und wahrscheinlich der Nachfolger von Gugenheimer. Veitels Biografie ist charakteristisch für den Einfluß, den der bayerische Staat vor allem in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf die Rabbinerausbildung und -bestallung nahm. Der als "ewiger Student der Fürther Jeschiwa" bezeichnete Veitel hatte zwar ein Fürther Rabbinatsdiplom, war aber 1822 durch jetzt obligatorische staatliche Rabbinerprüfung in Ansbach gefallen. Erst im zweiten Anlauf bestand er 1829 die Staatsprüfung in München. Weder in München, noch in Bayreuth und Fürth erhielt Veitel die notwendige staatliche Zustimmung für eine Rabbinatsstelle. Die Tätigkeit in Dittenheim nach 1833 ist demzufolge eher als beruflicher Abstieg zu werten. Veitel dürfte eine durchaus umstrittene Person gewesen sein. Für die einen war er ein Vertreter der "berüchtigten alten Talmudschule in Fürth", andere lobten seine Predigttätigkeit in deutscher Sprache.

Nach dem Tod Veitels 1851 wurde das Rabbinat in Dittenheim trotz der Überlegungen, hier einem Rabbinatskandidaten eine Stelle zu verschaffen, nicht wieder besetzt. Kritische Stimmen von außen, die sich gegen die "epidemische Auflösungs- und Anschließungssucht" im Blick auf das bayerische Rabbinatswesen wendeten, fanden in Dittenheim wenig Gehör. Trotz der vorhandenen Rabbinatsstiftung wollte sich die Gemeinde einem anderen Rabbinat anschließen. Von der Regierung wurde den Wünschen der Gemeinde entsprochen und 1853 Rabbiner Aron Grünbaum aus Ansbach zum Rabbinatsverweser ernannt. Dieser sollte zunächst drei Jahre Rabbinatsverweser sein. Nach Ablauf der dreijährigen Vertretungszeit durch Rabbiner Grünbaum aus Ansbach wurde das Rabbinat Dittenheim nicht mehr neu besetzt. Zur weiteren Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde stellte die Dittenheimer Gemeinde nun einen Religionslehrer an, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war.

Für das Ende des Distriktsrabbinats war sicher auch der Rückgang der Zahl der jüdischen Gemeindemitglieder verantwortlich. Die starke Abwanderung bis in die 1870er-Jahre führte dazu, dass 1887 keine Juden mehr in Dittenheim lebten.


Literatur

  • Laufer, Almut. Land, Dorf, Kehilla: „Landjudentum“ in der deutschen und deutsch-jüdischen Erzählliteratur bis 1918, Berlin, Boston 2020