Der erste schriftliche Nachweis für Juden in Adelsdorf stammt aus einem Lehenbuch des Bamberger Fürstbischofs Anton von Rotenhan (reg. 1431-1459): Im Jahr 1448 erwähnt es in Adelsdorf ein "Gütlein […] daselbsten Kauffman Jude uffsitzt". Dass in den nächsten Jahrzehnten weitere jüdische Familien nach Adelsdorf zogen, ergibt sich aus der Abschrift einer Gemeindeordnung von 1515. Sie verlangte von jedem erwachsenem Juden ein "Einzugsgeld" von zwei Gulden. Wohl um diese Zeit wurde in der Nähe des Dorfes Zeckern ein jüdischer Friedhof angelegt, den auch die Familien im rund zwei Kilometer entfernten Adelsdorf benutzten.
Mitte des 17. Jahrhunderts war die jüdische Gemeinde von Adelsdorf bereits so zahlreich, dass sie eine Synagoge unterhalten und nahezu durchgehend von einem eigenen Rabbiner betreuen lassen konnte. Die Synagoge nahe dem Schloss wird Ende des Jahrhunderts aktenkundig (Anwesen Nr. 56). Konflikte mit der christlichen Bevölkerung entstanden vor allem im Zusammenhang mit den jährlichen Fronleichnamsprozessionen, bei denen die religiöse Inbrunst auch in Gewalt eskalieren konnte. In einem Pogrom, das 1699 von Bamberg aus die Region erfasste, erlitten die Adelsdorfer Juden großen materiellen Schaden, der ihnen jedoch gerichtlich erstattet wurde. Trotz der Schwierigkeiten und Anfeindungen entwickelte sich die jüdische Gemeinde von Adelsdorf im 18. Jahrhundert zur größten im gesamten unteren Aischgrund. 1735 stellten die Juden mit 161 Personen ein gutes Drittel der Gesamtbevölkerung. Der Ortstradition zufolge predigten die Adelsdorfer Rabbiner gelegentlich von der sogenannten "Judenkanzel" im Schlosshof der Freiherren von Bibra, die Weidegründe und Marktplätze wurden gemeinsam benutzt und die Gemeindeordnung sah für den Nachtwächterdienst eine gleichberechtigte Arbeitsteilung vor: "Am Juden-Sabbath sollen die Christen, hingegen an Sonn- und Feiertagen die Juden wachen […]. Wäre aber, daß Christen- und Judenfeiertage zusammentreffen, soll derjenige Christ wachen, an wem es ist. Träfe es aber einen Juden, soll er, weil es wider ihre Zeremonien läuft, so sie attestando beigebracht, Macht haben für sein Geld und Bezahlung einen zu stellen".
1811 lebten in Adelsdorf 55 jüdische Familien mit insgesamt 261 Personen. In der Matrikelaufzeichnungen sind um 1820 52 Stellen ausgewiesen. Einen ortsansässigen Rabbiner gab es zu dieser Zeit nicht mehr, aber 1816 wurde Adelsdorf formal zum Sitz eines Bezirksrabbinats, dass Adelsdorf, Forchheim, Lonnerstadt, Mühlhausen und Vestenbergsgreuth umfasste. 1829 wurde es als Substitut dem Distriktsrabbiner von Burgebrach unterstellt und von diesem als Verweser betreut. Nach dem Tod des alten Adelsdorfer Rabbiners Abraham Loeb Stein kamen einige der Gemeinden des Rabbinatsbezirkes endgültig zum Bezirk Uehlfeld. Für den Verbundfriedhof hatte die Gemeinde einen "Begräbnis-Wärter" angestellt, der 1847 ein eigenes Häuschen (Anwesen Nr. 91) bewohnte. Gemäß einer staatlichen Erhebung war dieser Gemeindediener für die Juden in Adelsdorf, Kairlindach, Bickenbach (Hessen), Frensdorf, Hallerndorf und Lonnerstadt zuständig. In diesem Jahr war Heinrich Hellmann der "Kultuspfleger", also Vorsänger der Adelsdorfer Gemeinde, er wohnte im Söldenhaus Nr. 51 an der Dorfstraße.
Erst die Wahl von Dr. Hartwig Werner (1819-1905) zum neuen Rabbinatsvertreter brachte 1852 frischen Wind nach Adelsdorf. Er führte Reformen durch und sorgte für eine umfassende Renovierung der Synagoge. Als er 1859 nach Reckendorf wechselte, hinterließ er in mehrfacher Sicht eine große Lücke: Man fand nicht nur keinen ähnlich charismatischen Nachfolger, man fand überhaupt keinen, zumal die arme Gemeinde keinen entsprechenden Lohn zahlen konnte. Nach fast zweijährigem Ringen bot Dr. Werner von Reckendorf aus an, weiterhin stellvertretend die Adelsdorfer Gemeinde mitsamt ihren Filialen zu betreuen. Am 21. August 1862 genehmigte die oberfränkische Regierung den gewünschten „Fortbestand des Rabbinatsbezirkes Adelsdorf in seiner bisherigen Ausdehnung“, wobei sie Forchheim dem Rabbinatsbezirk Baiersdorf zuordneten.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts waren die Adelsdorfer Juden gut in das Ortsleben integriert. Ihre Kinder gingen in die örtliche Volksschule zum Elementarunterricht, und für den Religionsunterricht zum jüdischen Gemeindelehrer. Am Schabbat wiederum besuchten interessierte christliche Kinder die Synagoge. Jüdische Gewerbetreibende waren über viele Jahrzehnte von größter Bedeutung für das wirtschaftliche Leben von Adelsdorf. Eine private Stiftung erlaubte 1892 die Einrichtung eines jüdischen Armenhauses. 1905 verstarb Rabbiner Dr. Werner. Das verwaiste Bezirksrabbinat Adelsdorf wurde jetzt aufgelöst und am 1907 dem Bezirksrabbinat Bamberg zugeteilt. Im Ersten Weltkrieg kämpften 18 jüdische Männer aus Adelsdorf, einer fiel.
In den letzten Jahren der Weimarer Republik wurde die wirtschaftliche Situation beinahe unerträglich, und immer mehr Familien zogen in die attraktiveren urbanen Zentren oder emigrierten gleich nach Übersee: Bis 1933 lebten nur noch 60 Jüdinnen und Juden in Adelsdorf.
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 begannen systematische und zunehmend inhumane Repressalien: Schmähungen, diskriminierende Verordnungen, Boykottaufrufe, tätliche Angriffe und die Nürnberger Rassengesetze 1935. Wer konnte, emigrierte in den folgenden Jahren oder zog wenigstens in größere Städte. Die Novemberpogrome erreichten Adelsdorf am Morgen des 10. November 1938, als Mitglieder des Reichsarbeitsdienstlagers und Forchheimer SA-Männer den Ort stürmten. Sie demolierten alle jüdischen Häuser und wollten auch die Synagoge in Brand stecken – einzig die akute Feuergefahr für den restlichen Ort hielt sie davon ab. Die zerschlagene Inneneinrichtung, alle Ritualien und Gewänder wurden auf dem Marktplatz aufgehäuft und verbrannt. Später zwang man die jüdischen Männer zum Räumen der Überreste, danach wurden sie verhaftet und tags darauf in das Konzentrationslager Dachau abtransportiert. Erst Wochen später kamen sie wieder frei. Weitere Ausschreitungen gegen die Adelsdorfer Juden gab es nach dem Attentatsversuch auf Hitler am 9. November 1939 in München. 1942 wurden die wenigen noch in Adelsdorf lebenden Juden deportiert. Als letztes verschleppte man Ricka Loewi am 17. Juni 1943 in das Konzentrationslager Theresienstadt. Von ihnen allen überlebte niemand die Gewaltherrschaft.
Seit 1998 erinnert ein Gedenkstein auf dem Friedhof in Zeckern an die 31 ermordeten Jüdinnen und Juden aus den Gemeinden von Adelsdorf und Weisendorf. Ein Memorialbuch aus demselben Jahr schildert das Leben der Opfer in Kurzbiografien. In der Nähe des ursprünglichen Standortes der Synagoge wurde im Jahr 2000 ein Denkmal in Form einer gebrochenen Säule errichtet. Zwei Erinnerungsstücke sind in New York erhalten geblieben: Im Jewish Museum wird ein um 1700 entstandener Toraschild aus Adelsdorf ausgestellt, und ein Torawimpel – einen Tag vor der Zerstörung aus der Synagoge gerettet – befindet sich noch im Besitz der emigrierten Familie Fleischhauer.
In einer Kooperation mit den Central Archives for the History of the Jewish People (CAHJP) in Jerusalem werden von der Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns nach und nach die erhaltenen jüdischen Gemeindearchive – darunter das Gemeindearchiv aus Adelsdorf – digitalisiert, um sie erstmals und vollständig online zugänglich zu machen.
(Patrick Charell)
Bilder
Bevölkerung 1910
Literatur
- Barbara Eberhardt / Hans-Christof Haas: Adelsdorf. In: Wolfgang Kraus, Berndt Hamm, Meier Schwarz (Hg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. 2: Mittelfranken. Erarbeitet von Barbara Eberhardt, Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Angela Hager unter Mitarbeit von Frank Purrmann und Axel Töllner mit einem Beitrag von Katrin Keßler. Lindenberg im Allgäu 2010, S. 29-38.
- Gesellschaft für Familienforschung in Franken / Staatliche Archive Bayerns (Hg.): Staatsarchiv Bamberg - Die 'Judenmatrikel' 1824-1861 für Oberfranken (gff digital, Reihe A: Digitalisierte Quellen, 2 = Staatliche Archive Bayerns, Digitale Medien, 4), Nürnberg 2017
- Theodor Harburger: Die Inventarisation jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern, hg. von den Central Archives for the History of the Jewish People, Jerusalem, und dem Jüdischen Museum Franken – Fürth & Schnaittach, Bd. 2. Fürth 1998, S. 1.
- K. statistisches Landesamt: Gemeindeverzeichnis für das Königreich Bayern. Nach der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 und dem Gebietsstand von 1911. München 1911 (= Hefte zur Statistik des Königreichs Bayern 84), S. 150.
