Jüdisches Leben
in Bayern

Memmelsdorf Friedhof

Der jüdische Friedhof liegt an einem Berghang südwestlich des Ortes im Wald, ca. 2,5 km vom Ort entfernt in Richtung Wiesen. Er hat eine Größe von über 3300 qm und wurde 1835 angelegt. Es sind etwa 112 Grabsteine erhalten. Die letzte Beerdigung war im November 1937.

Lage: Berghang südwestlich des Ortes im Wald, ca. 2,5 km vom Ort entfernt in Richtung Wiesen. 

Größe: 3340 qm; massive Steinmauer rund um den Friedhof. Sie wurde in den 1950er Jahren bei Instandsetzungsarbeiten um etwa 50 m versetzt. 

Alter: 1835. Die erste Beisetzung fand am 8. Juli 1835 statt (die 14-jährige Berle Frank, gestorbenb am 6. Juli 1835). Zuvor hatte man die Memmelsdorfer jüdischen Verstorbenen auf dem seit 1633 bestehenden jüdschen Friedhof in Ebern beigesetzt. Die letzte Beerdigung war das Begräbnis von Arthur Kahn, der sich am 7. November 1937 im Amtsgerichtsgefängnis in Ebern das Leben genommen hatte. 

Beerdigungen: etwa 112 Grabsteine sind erhalten. Die teilweise sehr schönen alten Grabsteine befinden sich auf dem westlichen, die neueren auf dem östlichen Teil des Friedhofs. 

Schändungen: 1926 im Zuge antisemitischer Vorgänge im Umkreis von Memmelsdorf, Untermerzbach und Coburg; in den späten 70er- und zu Anfang der 1980er-Jahre; im Sommer 1999 (zwischen 18. und 26. Juli), als drei Grabsteine samt Sockel umgeworfen wurden und zu Bruch gingen sowie an einem weiteren Grabstein die Inschriftentafel zerstört wurde. Im Mai 2002 und im Mai 2005, als vermutlich durch einen Steinwurf eine Grabplatte beschädigt wurde.

Dokumentation: in der Datenbank epidat des Steinheim Instizut sind 112 Inschriften von Grabsteinen von 1835-1937 nachgewiesen.


Fotodokumentation „Steinerne Zeugnisse“:

Israel Schwierz hat uns großzügigerweise die Originalfotografien zu seiner 1988 erschienenen Dokumentation „Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern“ überlassen. Dafür gilt ihm unser großer Dank. Diese Fotografien stellen gerade im Hinblick auf die in vielen Fällen in den letzten 25 Jahren sehr rasch fortgeschrittene Verwitterung der Grabsteine eine wertvolle Quelle dar.

Literatur

  • Schwierz, Israel: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern, 2. Aufl. München 1992, 99
  • Trüger, Michael: Jüdische Friedhöfe in Bayern (27) [Schnaittach, Memmelsdorf i. Ufr., Osterberg]. In: Der Landesverband der Israelit. Kultusgemeinden in Bayern 15, Nr. 84 (Dezember 2000), S. 12-13, hier S. 13
  • Mayer, Lothar: Jüdische Friedhöfe in Unterfranken, Petersberg 2010