Stichwörter: Ostjude, Ostjuden
Im Bayern der Weimarer Zeit lebten etwa 5.000 bis 10.000 Juden mit osteuropäischer Staatsangehörigkeit. Diese zahlenmäßig eigentlich kaum ins Gewicht fallende Personengruppe geriet seit 1919 zunehmend ins Visier antisemitischer Hetzkampagnen; hinzu kamen Schikanen von Seiten der Behörden. Höhepunkt der Feindseligkeiten gegen Ostjuden, bei welchen Bayern reichsweit eine negative Vorreiterrolle spielte, stellte die staatliche Ausweisungsaktion vom Oktober/November 1923 dar.
Quelle: www.historisches-lexikon-bayerns.de
Aus: Historisches Lexikon Bayerns
Jüdische Familien und Einzelpersonen, die ab den 1880ern vor Pogromen aus dem zaristischen Russland (v.a. Polen und Galizien) nach Westen flohen. Obwohl auch sie den Aschkenasim angehörten, wurden die meist armen und streng orthodoxen Immigranten aus Osteuropa eher als unwillkommene Fremde wahrgenommen. Sie unterschieden sich in ihrer traditionellen Kleidung und konservativen "Stetl"-Kultur (siehe Ghetto) sowie der slawisch beeinflussten ost-jiddischen Sprache von den größtenteils assimilierten Juden in Deutschland. Sie gründeten in ihrer neuen Heimat nach Möglichkeit eigene religiöse Zirkel und blieben vom Wahlrecht der liberalen großen Kultusgemeinden oft lange ausgeschlossen. Die in dieser innerjüdischen Auseinandersetzung ausgebildeten Stereotype wurden dann in der antisemitischen Propaganda der Weimarer Republik sowie im Nationalsozialismus weiterentwickelt und umgedeutet zu der Vorstellung, dass sich im "Ostjuden" eine eindeutige "rassische Minderwertigkeit" manifestiere, die bei westlichen "Kulturjuden" noch verschleiert sei. Im Bayern der Weimarer Zeit lebten etwa 5.000 bis 10.000 Juden mit osteuropäischer Staatsangehörigkeit. Diese zahlenmäßig eigentlich kaum ins Gewicht fallende Personengruppe geriet seit 1919 zunehmend ins Visier antisemitischer Hetzkampagnen; hinzu kamen Schikanen von Seiten der Behörden. Höhepunkt der Feindseligkeiten gegen Ostjuden, bei welchen Bayern reichsweit eine negative Vorreiterrolle spielte, stellte die staatliche Ausweisungsaktion vom Oktober/November 1923 dar.
Quelle: Dirk Walter: Ostjuden (Weimarer Republik), publiziert am 29.11.2007. In: Historisches Lexikon Bayerns, https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Ostjuden_(Weimarer_Republik) [14.11.2023].)
Aus: Jüdisches Leben in Bayern
(hdbg.eu/juedisches_leben)