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Stichwörter: Kartäuser


Der Orden trägt seinen Namen nach dem Ort seines ersten Klosters - Chartreuse in den französischen Alpen bei Grenoble. Er wurde 1084 durch einen Zisterzienser, den hl. Bruno von Köln (1032–1101), gegründet. Bruno wollte mit sechs Freunden zurück zum Dasein der Eremiten. Die ersten Kartäuser lebten als Einsiedler in einzelnen Hütten. Zum Gottesdienst und zu bestimmten Anlässen traf sich die Gemeinschaft.
Erst 1127 fasste man die Constitudines von Chartreuse verbindlich. 1133 bestätigte sie Rom. Grundlage ist die Regel des hl. Benedikt, allerdings sehr verschärft durch die Gebräuche der Kartäuser. Ihre karge Kost kennt auch im Krankheitsfall kein Fleisch, Fisch oder Geflügel. Das strenge Schweigegebot wird nur an Sonn- und Feiertagen gelockert. Den Großteil des Tages verbringen die Mönche einzeln in Kontemplation und Arbeit. Das Refektorium wird nur an Sonn- und Feiertagen genutzt.
Bald erkannte der Orden, dass die Eremiten der Unterstützung bedurften. So entstanden neben den Häuschen der Mönche getrennte Wohn- und Arbeitsanlagen für Brüder und schließlich mit der Kartause eine spezielle Bauform. Jede Kartause untersteht einem Prior, der Titel Abt war nur im bayerisch-österreichischem Raum ab dem 18. Jahrhundert üblich. Oberer für den Gesamtorden ist stets der Prior des Mutterklosters Chartreuse. Das II. Vatikanische Konzil beseitigte die Unterscheidung in eigentliche Mönche mit weißem Habit und Brüder mit braunem Habit. Auch die Rangunterschiede wurden aufgehoben.
Die Kartäuser waren stets eine kleine Gemeinschaft. In Süddeutschland erlebten sie eine Blüte erst im Spätmittelalter. Ungeachtet ihrer zurückgezogenen Lebensform entstanden Kartausen in großen Städten, z. B. Nürnberg (heute Germanisches Nationalmuseum). Zahlreiche Klöster der Kartäuser fielen bereits der Reformation zum Opfer.
Literatur: Backmund, Norbert: Die kleineren Orden in Bayern, Windberg 1974, S. 57ff.;
Binding, Günther / Untermann, Matthias: Kleine Kunstgeschichte der mittelalterlichen Ordensbaukunst in Deutschland, Darmstadt 1985, 3. ergänzte Auflage 2001, S. 391-402;
Lexikon für Theologie und Kirche. Begründet von Michael Buchberger. Dritte völlig neu bearbeitete Auflage, hrsg. von Walter Kaspar u.a., Freiburg u.a. 1996, Band 5, Sp. 1268ff.

Aus: Klöster in Bayern (www.hdbg.de/kloester)

Ende des 11. Jahrhunderts entstandener kontemplativer Orden mit eremitischer Ausrichtung. Kennzeichnend ist die sehr strenge Askese. Die neun Niederlassungen im Raum des heutigen Bayern entstanden erst im Spätmittelalter, meist durch Umwandlung bestehender Klöster oder Stifte anderer Orden. Geographischer Schwerpunkt war Unterfranken. In der Reformationszeit wurde 1525 die Kartause in Nürnberg aufgehoben, Christgarten wurde 1648 endgültig säkularisiert. Sieben Kartausen überlebten die Krise des 16. Jahrhunderts und nahmen in der Barockzeit einen neuen Aufschwung. 1803 wurden alle Kartausen in Bayern aufgehoben. Der Orden ist seitdem nicht mehr in Bayern ansässig.

Quelle: www.historisches-lexikon-bayerns.de
Aus: Historisches Lexikon Bayerns