Die Glossare des HdBG

Kabbala Detailansicht

Stichwörter: Kabbala


Mittelalterliche und frühneuzeitliche jüdische mystische Bewegung, die unter anderem - mit zahlen- und buchstabensymbolischen Mitteln - dem verborgenen Sinn der Bibel nachspürt

Aus: Siehe der Stein schreit aus der Mauer

(Hebr. Überlieferung): Im 12. Jahrhundert entstandene jüdische Mystik- und Geheimlehre, deren Grundströmungen bereits auf die Antike zurückgehen. Die Kabbala ist ebenso wie die Mosaischen Gesetze Teil der religiösen Tradition und wird als göttlichen Ursprungs erachtet. Die Kabbala beruht unter anderem auf der Macht der Zahlen und Buchstaben, weil in der Tora jedes hebräische Schriftzeichen mit einer Ziffer verbunden ist. Für Nichteingeweihte ist das Wesen der Kabbala kaum zu durchdringen und wird oft mit Magie gleichgesetzt, daher bedeutet das Adjektiv "kabbalistisch" auch "hintergründig, geheimnisvoll". Das wohl bekannteste Beispiel für die zugeschriebene Macht der Kabbala ist der "Golem", ein künstliches Wesen aus Erde oder Ton. Durch eine bestimmte Kombination aus den 22 Buchstaben des hebräischen Alphabets und den zehn Urziffern (hebr. Sephiroth) wird der Golem zum Leben erweckt. Die bekannteste Sage dieser Art stammt aus Prag, wo der Rabbiner Jehuda Löw im 16. Jahrhundert einen Golem erschaffen haben soll; die Sage wurde 1920 von Paul Wegener und Carl Boese verfilmt.

Quelle: Gershom Scholem: Zur Kabbala und ihrer Symbolik. 8. Aufl. Frankfurt a.M. 1995 (= Suhrkamp TB Wissenschaft 13). // Germanisches Nationalmuseum Nürnberg / Bernward Deneke u.a. (Hg.): Siehe der Stein schreit aus der Mauer. Geschichte und Kultur der Juden in Bayern. Nürnberg 1988, S. 512. // Historisches Museum der Pfalz / Cornelia Ewigleben (Hg.): AK Europas Juden im Mittelalter. Speyer 2005, S. 263.
Aus: Jüdisches Leben in Bayern (hdbg.eu/juedisches_leben)