Die Glossare des HdBG

Judenzählung Detailansicht

Stichwörter: Judenzählung


Syn. "Judenstatistik" (amtlich: "Nachweisung der beim Heere befindlichen wehrpflichtigen Juden"): Zum Stichtag 1. November 1916 von der OHL angeordnete statistische Erhebung zu den kriegstauglichen, an der Front dienenden, verlegten, unabkömmlich gemeldeten, zurückgestellten und gefallenen jüdischen Wehrpflichtigen. Als die anfängliche Kriegsbegeisterung angesichts des verlustreichen Stellungskrieges verraucht war, machte sich Frustration breit, die einen Sündenbock suchte. Juden wurden in entsprechenden Kreisen als "Drückeberger" dargestellt, die sich angeblich ihrer vaterländischen Pflicht durch alle möglichen Mittel zu entziehen suchten. Das Ergebnis der Zählung wurde geheim gehalten. 1922 ergab eine genaue Untersuchung, dass mit 17,3 Prozent anteilig ebenso viele deutsche Juden wie Nichtjuden zum Kriegsdienst eingezogen worden waren, obwohl aus Alters- und Berufsgründen nur 15,6 Prozent der Juden wehrpflichtig gewesen waren. Rund 120.000 tausend deutsche Juden fielen im Kampfeinsatz.

Aus: Jüdisches Leben in Bayern (hdbg.eu/juedisches_leben)