Stichwörter: Jesuiten, Jesuiten (Gesellschaft Jesu bzw. Societas Jesu SJ)
Der ursprüngliche Name lautete Compania de Jesus. Er verweist auf das Vorleben ihres Gründers, des hl. Ignatius Lopez von Loyola (1491-1556), als spanischer Offizier. Nach schwerer Verwundung (1521) schied Ignatius aus dem Militärdienst. Er unternahm Pilgerfahrten und begann ein Studium. 1537 wurde er zum Priester geweiht. Bereits 1534 sammelte Ignatius in Paris seine erste Gemeinschaft um sich. Sie erhielt 1540 die päpstliche Bestätigung als Orden.
Klare Hierarchien und strikter Gehorsam sollten die direkt dem Papst unterstellten Kämpfer Christi prägen. Die Jesuiten beanspruchen eine Sonderstellung. Sie leben einerseits nicht als Mönche, sondern als Kleriker in der Welt (Verzicht auf Klausur, Habit und Chorgebet). Anderseits zählen sie zu den Mendikanten, das heißt sie verzichten auf Eigentum. Die Ziele der Gesellschaft Jesu sind die Förderung des Beichtsakraments, die Volksmission und die Jugendbildung. Besonderen Wert legt der Orden auf die wissenschaftliche Qualifikation seiner Angehörigen.
Im Zeitalter der Gegenreformation erlebten die Jesuiten einen epochalen Aufstieg zum führenden Orden der römisch-katholischen Kirche. Sie missionierten in China, Japan und Indien, gründeten eigene Staaten in Lateinamerika, dominierten die Gymnasial- und Hochschullehre und übten politischen Einfluss als Beichtväter an zahlreichen Fürstenhöfen aus. Die Kirchenbauten und geistlichen Schauspiele der Jesuiten prägten nachhaltig die Kultur des Barock.
Nach einer Phase innerer Erstarrung gerieten die Jesuiten im 18. Jahrhundert in die Kritik der Aufklärung. Zu Hauptgegnern des Ordens wurden die Könige von Spanien und Frankreich. Auf ihren Druck hin erfolgte die Auflösung des Ordens durch Papst Clemens XIV. im Jahr 1773. Nur in Russland blieb die Gesellschaft de facto bestehen.
Unter dem Eindruck der Französischen Revolution stellte Papst Pius VII. im Jahr 1814 den Orden wieder her. Dennoch konnten die Jesuiten ihre alte Bedeutung nicht mehr erlangen. Im Kulturkampf des 19. Jahrhunderts gerieten sie erneut in Verfolgung. So war der Orden im Deutschen Kaiserreich von 1872 bis 1917 verboten.
Als Bewegung der Laien sind mit den Jesuiten die Marianischen Kongregationen verbunden. Sie entstanden im 16. Jahrhundert zunächst für Männer, ab Mitte des 18. Jahrhunderts auch für Frauen. Seit 1967 heißen sie Gemeinschaft Christlichen Lebens.
Literatur: Koch, Ludwig: Jesuiten-Lexikon. Die Gesellschaft Jesu einst und heute, Paderborn 1934, ergänzter Nachdruck, Löwen-Heverlee( o. J.);
Lexikon für Theologie und Kirche. Begründet von Michael Buchberger. Dritte völlig neu bearbeitete Auflage, hrsg. von Walter Kaspar u.a., Freiburg u.a. 1996, Band 5, Sp. 794-803.
Link: http://www.jesuiten.de
Aus: Klöster in Bayern (www.hdbg.de/kloester)