Stichwörter: Hep-Hep-Krawalle 1819 (Pogrom)
Gewalttätige Reaktion auf die beginnende Judenemanzipation in den Staaten des Deutschen Bundes (Bayern: Judenedikt 1813). Als maßgebliche Anstifter der Ausschreitungen gelten vor allem Kaufleute oder Handwerker, die vor Ort den vermehrten Zuzug oder den sozialen Aufstieg jüdischer Bürger missbilligten. Der Name "Hep-Hep" leitet sich wohl vom Ruf der Fuhrleute ab, mit dem sie ihre Ochsen antrieben. Die Unruhen begannen am 2. August 1819 in Würzburg und weiteten sich schnell auf alle deutschen Staaten aus, obwohl sie nach heutigem Forschungsstand unorganisiert verliefen. In der Regel wurden Scheiben eingeworfen und jüdische Passanten attackiert, nur in Einzelfällen kam es zur Plünderung von jüdischen Geschäften oder zur Verwüstung von Synagogen. Trotzdem gelten die Hep-Hep-Unruhen als erste weiträumige Judenverfolgung seit dem Mittelalter. Die Obrigkeit begegneten den Krawallen regional unterschiedlich und in der Anfangsphase oft zögerlich, ab September griffen sie energisch gegen aufkommende Unruhen durch. In Wilhelm Hauffs 1826 erschienener Groteske "Die Memoiren des Satans" ist Hephep ein despektierliches Akronym für "Jude", jedoch hat sich der Begriff nirgends sonst durchgesetzt.
Quelle: Wolfgang Häusler: Judenfeindliche Strömungen im deutschen Vormärz. In: Haus der Bayerischen Geschichte / Manfred Treml / Josef Kirmaier / Evamaria Brockhoff (Hg.): Geschichte und Kultur der Juden in Bayern – Aufsätze. München 1988 (= Veröffentlichungen zur Bayerischen Geschichte und Kultur 17), S. 299-312. // Jacob Katz: Die Hep-Hep-Verfolgungen des Jahres 1819. Nachwort von Stefan Rohrbacher. Berlin 1994 (= Dokumente, Texte, Materialien [vom Zentrum für Antisemitismusforschung der technischen Universität Berlin] 8). // Ursula Gehring-Münzel: Das "Hep-Hep"-Pogrom im Jahre 1819. In: Roland Flade: Die Würzburger Juden. Ihre Geschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Würzburg 1987, S. 73-81. // Christoph Daxelmüller: Vom Hausierer zum Unternehmer – Juden in Franken. In: Haus der Bayerischen Geschichte / Werner K. Blessing u.a. (Hg.): AK 200 Jahre Franken in Bayern – Aufsätze. Augsburg 2006 (= Veröffentlichungen zur Bayerischen Geschichte und Kultur 52), S. 80-89.
Aus: Jüdisches Leben in Bayern
(hdbg.eu/juedisches_leben)