Die Glossare des HdBG

Evangelische Kirche (19./20. Jahrhundert) Detailansicht

Stichwörter: Evangelische Kirche, Evangelische Kirche (19./20. Jahrhundert)


Durch die territoriale Neugliederung Deutschlands zwischen 1803 und 1815 wurde das Königreich Bayern ein gemischtkonfessioneller Staat. Oberhaupt der evangelischen Christen war bis 1918 der katholische König, der seine kirchenleitenden Befugnisse über die Konsistorien ausübte. Im Laufe des 19. Jahrhunderts verstärkte sich im rechtsrheinischen Bayern unter dem Einfluss der Erweckungsbewegung das lutherische Konfessionsbewusstsein, was 1848 zur organisatorischen Loslösung der Pfälzischen Kirche führte. Nach 1918 erreichte die evangelische Kirche ihre Selbständigkeit gegenüber dem Staat, mit dem 1924/25 die Beziehungen neu geregelt wurden. Die kirchlichen Organisationsstrukturen blieben jedoch weitgehend bestehen, allerdings unter Stärkung der synodalen Elemente. Neues Kirchenoberhaupt wurde 1920 der Kirchenpräsident, ab 1933 der Landesbischof. Zwischen 1933 und 1945 konnte die bayerische Landeskirche ihre Gleichschaltung verhindern und ihre Selbständigkeit wahren. Durch Flucht und Vertreibung nahm nach 1945 die Zahl der evangelischen Christen in Bayern deutlich zu, nun auch in katholischen Gebieten. In der Nachkriegszeit wurden daher auch die Bildungseinrichtungen stark ausgebaut, doch mussten wegen des tendenziell rückläufigen Kirchensteueraufkommens in jüngster Zeit Sparmaßnahmen getroffen werden.

Quelle: www.historisches-lexikon-bayerns.de
Aus: Historisches Lexikon Bayerns