Stichwörter: Englische Fräulein, Englische Fräulein (Institutes Beatae Mariae Virginis I.B.M.V.)
(heute: Maria Ward Schwestern)
Das Institut wurde von Mary Ward (1585-1645) gegründet. Die englische Adlige war vor den Katholikenverfolgungen in ihrer Heimat nach Flandern geflohen. Von 1606 bis 1608 lebte sie als Schwester der Klarissen in St. Omer. Sie verließ das Kloster und gründete 1609 mit sieben Engländerinnen in St. Omer ihre erste Schule. Es folgten Niederlassungen im Rheinland und in Italien. 1626 holte der bayerische Kurfürst Maximilian I. Mary Ward und ihre Gemeinschaft in seine Residenzstadt München. 1627 eröffnete sie eine Mädchenschule mit Internat.
Im Gegensatz zu anderen sozial und kulturell aktiven Frauengemeinschaften ihrer Zeit, z. B. den Elisabethinerinnen und den Ursulinen, weigerten sich die Englischen Fräulein sich in eine Klausur zu begeben. 1631 ließ Papst Urban VII. alle Institute schließen. 1632 wurde Mary Ward als angeblich entsprungene Klarissin in München vorübergehend in strenge Klosterhaft genommen. 1633 ging sie zu Fuß von München über die Alpen nach Rom und zurück. Nach erfolgreichen Verhandlungen mit dem Heiligen Stuhl durfte 1635 das Münchner Institut wieder eröffnet werden. Es ist das Stammhaus für den gesamten heutigen Orden. 1929 wurde allerdings der Sitz der Generaloberin von München nach Rom verlegt.
Die Münchner Kurfürsten, die Diözesen Freising und Augsburg förderten die Englischen Fräulein. Um 1800 existierten insgesamt 18 Häuser. Die Gemeinschaft bestand bis in das 19. Jahrhundert aus drei Klassen: adligen Fräulein und bürgerlichen Jungfrauen als Lehrerinnen sowie Schwestern für die körperlich anstrengenden Hausarbeiten. Da sie als nützlich anerkannt waren, überstanden die Englischen Fräulein die Säkularisation. Erst 1877 wurden sie von Rom als regulärer Orden anerkannt.
Literatur: Backmund, Norbert: Die kleineren Orden in Bayern und ihre Klöster bis zur Säkularisation, Windberg 1974, S. 43-47;
Lexikon für Theologie und Kirche. Begründet von Michael Buchberger. Dritte völlig neu bearbeitete Auflage, hrsg. von Walter Kaspar u.a., Freiburg u.a. 1995, Band 3, Sp. 672 f.
Aus: Klöster in Bayern (www.hdbg.de/kloester)