Stichwörter: Dolchstoßlegende
Nach dem Ersten Weltkrieg verbreitete, letztlich auf General Erich Ludendorff zurückgehende These der Ursachen des deutschen Zusammenbruchs; hiernach hätten Teile der Heimatbevölkerung, besonders jedoch Gruppen der sozialistischen Linken bis hin zur gesamten Sozialdemokratie, durch ihren revolutionären Umsturz das "im Felde unbesiegte" Frontheer "von hinten erdolcht". Die Dolchstoßlegende sollte von den militärischen und wirtschaftlichen Gründen für die Niederlage Deutschlands ablenken. Sie wurde zusammen zur Kampfparole der extremen Rechten gegen die Weimarer Republik und ihre Regierungen. Um das Aufkommen einer erneuten Dolchstoßlegende zu verhindern, bestanden die Alliierten 1945 auf der Unterschrift der Kapitulationsurkunde durch die deutschen militärischen Befehlshaber.
Quelle: Aus: CD-ROM und Internet-Projekt: Geschichte des bayerischen Parlaments, www.parlament.hdbg.de
Aus: Parlamentarismus
Der Ausdruck "Dolchstoß-Legende" steht für das Bemühen vor allem der politischen Rechten, nach dem Ersten Weltkrieg die Niederlage Deutschlands mit verräterischen Handlungen bzw. politischen Fehlern innerhalb des Reiches selbst (Defätismus der Bevölkerung, Novemberrevolution 1918, Passivität des Staates) zu erklären. Die Linksparteien sowie die deutschen Juden wurden pauschal dafür verantwortlich gemacht. Auf der anderen Seite sah die gemäßigte Linke in den expansiven Kriegszielen der Rechten eine Ursache der Niederlage. Vertreter der radikalen Linken bekannten sich offen zu den Vorwürfen der Rechten. Ab Ende 1918 versuchten die großen Parteien mit unterschiedlicher Intensität, den vermeintlich von den jeweiligen innenpolitischen Gegnern verübten 'Dolchstoß' zu instrumentalisieren, eine herausragende Bedeutung erlangte dieses Thema bis 1933 jedoch nicht. Innerhalb des rechten Lagers bemühte man sich allerdings, Lehren aus den als 'Dolchstoß' wahrgenommenen Ereignissen von 1918 zu ziehen, was zum Teil nach 1933 und insbesondere im Zweiten Weltkrieg Niederschlag in der nationalsozialistischen Politik fand.
Quelle: www.historisches-lexikon-bayerns.de
Aus: Historisches Lexikon Bayerns