Die Glossare des HdBG

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Stichwörter: Cheder


Zimmer. Die Schule, in der Kinder vom 4. bis 5. Lebensjahr an den Elementarunterricht erhalten

Aus: Siehe der Stein schreit aus der Mauer

(Pl. Chadarim, auch Jeschiwa Ketana: hebr. Kleine Jeschiwa): Traditionelle, religiös geprägte Elementarschule für Knaben. Für den Unterhalt und die Wohnung des Lehrers kam die Gemeindekasse oder eine wohlhabendere Gruppe der Eltern auf. Die Schule befand sich meistens im Synagogengebäude oder in einem Zimmer im Haus des Melamed, wovon sich auch der hebräische Name herleitet (cheder = hebr. Zimmer, Kammer). Ab dem frühen 19. Jahrhundert beansprucht der bayerische Staat sein Kontrollmonopol über das Unterrichtswesen, die allgemeine Schulpflicht wurde in Altbayern bereits 1804 eingeführt. Das Chedersystem in West- und Mitteleuropa erlosch in diesen Jahrzehnten, während in Süd-Osteuropa und Russland auch weiterhin traditionell gelehrt wurde. Ab 1817 errichteten die bayerischen Kultusgemeinden vermehrt eigene Schulgebäude, sowohl aus Prestigegründen, aber auch um die neuen staatlichen Vorgaben bzgl. des praktischen Unterrichts sowie der Hygiene erfüllen zu können.

Quelle: Wolfgang Kraus, Hans-Christoph Dittscheid, Gury Schneider-Ludorff (Hg.): Mehr als Steine… Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. III/2: Unterfranken. Lindenberg im Allgäu 2021, S. 1660. // Germanisches Nationalmuseum Nürnberg / Bernward Deneke u.a. (Hg.): Siehe der Stein schreit aus der Mauer. Geschichte und Kultur der Juden in Bayern. Nürnberg 1988, S. 511. // Vgl. Falk Wiesemann: Rabbiner und jüdische Lehrer in Bayern während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Staat-Reform-Orthodoxie. In: Haus der Bayerischen Geschichte / Manfred Treml / Josef Kirmaier / Evamaria Brockhoff (Hg.): Geschichte und Kultur der Juden in Bayern – Aufsätze. München 1988 (= Veröffentlichungen zur Bayerischen Geschichte und Kultur 17), S. 277-286.
Aus: Jüdisches Leben in Bayern (hdbg.eu/juedisches_leben)