Die Glossare des HdBG

Bierzipfel (stud.) Detailansicht

Stichwörter: Bierzipfel, Bierzipfel (stud.)


Ein (Bier-)Zipfel wird von farbentragenden Verbindungsstudenten am Gürtel oder Knopfloch getragen, früher vor allem an der Taschenuhr: Ein Band in den Farben (Couleur) der studentischen Verbindung, in (Edel-)Metall und einem Metallschieber gefasst. Der Schieber ist auf der Vorderseite mit Wappen und/oder Zirkel versehen und auf der Rückseite mit einer Widmung, da der Bierzipfel in der Regel verschenkt wird. An der oberen Metallfassung befindet sich ein Kettchen mit einem Karabinerhaken, mit dem der Zipfel am Zipfelhalter befestigt wird. Der Zipfelhalter wiederum wird mit einem Clip am Hosenbund oder an der Westentasche getragen, früher vor allem an der Taschenuhr. "Nichtfarbentragende", beispielsweise religiös ausgerichtete Verbindungen führen meistens einen schlichtes schwarzes oder dunkelblaues Band. Der Verlust eines Bierzipfels gilt als besondere Schande, da mit ihm die Erinnerung an ein ganzes Verbindungsleben verloren geht. Zum Bierzipfel kommen kleinere Exemplare, die von anderen Verbindungsstudenten verschenkt wurden (Zipfeltausch). Je nach der vorherrschenden Tradition tauschen Verbindungen ihre Farben recht freigiebig, etwa nach einem Kneippabend, oder nur zu ganz besonderen Anlässen (Gemeinsames Pauken oder Mensur). Ebenfalls kleiner als der Bierzipfel ist der "Weinzipfel". Ein frisch eingetretener Verbindungsstudent (Fuchs) sucht sich ein älteres Mitglied als "Burschen" aus, der ihm am neuen Studienort zur Seite stehen soll. Nur in den seltensten Fällen wird dies abgelehnt. Durch die Bekanntgabe der Bindung auf dem Convent und durch den getauschten Zipfel, bei dem der Fuchs seinen Bierzipfel gegen einen Weinzipfel austauscht, wird der Fuchs folglich zum Leibfuchs (Biersohn) seines Leibburschen (Biervater).

Quelle: Persönliche Auskunft eines "Alten Herrn" der Corps Suevo-Guestphalia München
Aus: Jüdisches Leben in Bayern (hdbg.eu/juedisches_leben)